199
den Häuſern vorbei, damit die Hunde nicht wach werden, und den Athem anhalten, wenn man Samſtag Nachts, da die Nachtbuben jauchzend die Runde machen, hinter dem alten Weidenſtock am Bache ſteht. Dieß war jedoch Fidelis kleinſte Sorge, und wenn auch der Hühnerhubel, wo Vroneli als „Jungfrau“ diente, zwei Stunden weit entfernt war, und wenn auch die Nachtbuben alldort weit und breit als die aller⸗ ſchlimmſten berühmt waren, welche keinen fremden Jäger un⸗ geſtraft in ihr Gehege kommen ließen; ſo oft Fideli zu Vroneli ging, in finſtern und in hellen Nächten, ſo wurde er doch niemals ertappt. Aber nach ſolchen Gängen folgt zuletzt ein anderer Gang, und obgleich einem auf demſelben keine Nacht⸗ buben auflauern, ſo iſt er nichtsdeſtoweniger manchmal der ſchwerſte von allen. Das iſt der Gang zum Pfarrer.
Auf die Pfingſtroſen folgen die feuerfarbenen Nelken, und wenn die Nelken abgeblüht haben, fallen dann bald die Bir⸗ nen und Aepfel vom Baum, und dann gehts auch nimmer lang, ſo führt der Wind das falbe Laub davon, aber der Rosmarin bleibt Sommer und Winter grün. Fideli und Vroneli gingen neben einander her und hielten ſich bei der Hand, denn es war tiefe Dämmerung und ein dichter Nebel, den kein Auge zu durchdringen vermochte. Vronelis Herz klopfte bang; Fi⸗ deli gedachte der Hütte im Schachen, wo die vielen Weiden ſtanden. Die gehörte ſeinem letzten Meiſter, der wollte ihm wohl und hatte ihm verſprochen, ihm die Hütte und ein Stück Schachenland in Pacht zu geben um billigen Zins. Dahin wollte er ziehen mit Vroni. Und wegen des Brods, das er dann ſchaffen ſollte für Weib und Kind, war ihm keineswegs bang. Denn bei all ſeinen Meiſtern hatte er ſich gut befliſſen und war deßhalb wohl erfahren in allem Bauernwerk, und jeder hatte ihn gern als Mähder oder zum Garbenbinden oder als Dreſcher. So konnte er zur Sommerszeit ſeinen ſchönen Lohn verdienen. Zur Winterszeit aber wollte er Körbe flechten; dieſe Kunſt verſtand er aus dem Fundament, der alte


