Teil eines Werkes 
1. Bändchen (1852)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

das Meitſchi darob aus Luſt und Freude die Hände zuſammen⸗ ſchlug. Von den gelben und rothen Tulipanen hüpfte es zu den duftenden Pfingſtnelken, vom Schneeballenſtrauch zu den Roſenſtöcken, wo bereits da und dort ein zartes rothes Knösp⸗ chen ſeine grüne Hülle geſprengt hatte. Und Baſelnägeli und Reſeda, welche es vor ſeiner Abreiſe nach der Stadt geſäet? Das kroch bürſtendick und grün wie Schnittlauch zum Boden heraus. Hat aber auch das Lungi nicht vergeſſen die Dahlien⸗ wurzeln zu rechter Zeit zu ſetzen? Schau, ſie ſind ſchon fingers⸗ lang gewachſen.Das haſt du gut gemacht, Lungi! Dafür habe ich dir aber auch aus der Stadt einen Kram gebracht. Und unter der Schürze hervor zog Liſeli ein ſeidenes Tuch, wie ſie die hoffährtigen Bauernjungfern über die Ohren zu binden pflegen. Das ſtehe ihm gewiß gut zu ſeinen rothen Backen.Das wolle es bigoſt meinen, rief das erfreute Lungi. Roth, blau und gelb gehe b'ſunderbar gut zu ſeinem Geſicht. Liſeli mußte ihm das Tuch ſogleich umbinden und unter dem Kinn etwas auf der linken Seite eine ſchöne große Maſche machen.Was haſt da am Finger für ein goldenes Ring⸗ lein? Aber Liſeli fuhr raſch mit der Hand unter das Für⸗ tuch und wurde feuerroth.Darfſt es mir wohl ſagen, wenn du einen Schatz haſt.Ach was! Das hat mir die Baſe geſchenkt, gab Liſeli zum Beſcheid und lief auf und davon hinter das Haus.Es müſſe doch nachſehen, was ſein weißes Tſchuphuhn mache.Lauf nur! Dir ſteckt ein Tſchuphuhn aus der Stadt im Gringli. Aber ſagſt du mir nichts, ſo ſag ich dir auch nichts. Und brummend verfügte ſich Lungi wieder in die Küche.

Unterdeſſen hatte ſich Baſe Lämmli von dem Schrecken wieder erholt, der über ſie gekommen war, als ſie das vier⸗ wöchige Milchkalb hätte greifen ſollen. Es war ihr ſogar faſt leid, nicht gegriffen zu haben, ungeachtet der weißen Spitzen⸗ manſchettli.Der Vetter Jakob ſolle es ihr ja doch nicht nachtragen, daß ſie im Stall ſo dumm gemacht habe. Sie ſei