Teil eines Werkes 
1. Th. (1824)
Entstehung
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Scheu und ſchuͤchtern irrte ſie oft Tage lang in den abgelegenſten Theilen des Gartens herum und wurde bald ſo veraͤndert, daß das lebensfrohe Maͤdchen nach einem dreimonatlichen Aufenthalte im Kloſter, ſowohl an der Seele als am Leibe kaum mehr zu erkennen war. Taͤglich unterlag ſie der druͤckenden Gewalt melancholiſcher Andaͤchtelei immer mehr, bis ihre Geſundheit ſo ſehr abnahm, daß ſie zum innigen Bedauern Almirens nur mehr wie ein Schatten aus der Geiſterwelt durch die trauervollen Kloſtergaͤnge dahin wankte.

Selbſt Almirens haͤufige Verſuche, ſie mit der glaͤnzenden Ausſicht nach dem Feenlande der Zukunft zu troͤſten, blieben ohne Erfolg. Nicht ſelten entſagte ſie ſelbſt dem Schlafe, um mit lie bender Zaͤrtlichkeit ihrer jungen Freundin gehoͤrige Wartung zu leiſten, die gleich der Blume jetzt verwelkte, bevor ſie ihre Reize noch gehoͤrig entfal⸗ ten konnte.

Es iſt faſt unmoͤglich, laͤngere Zeit in der Ge⸗ ſellſchaft eines Menſchen zu ſeyn, ohne ſich unwill kuͤhrlich ſeine Sitten und Manieren anzueignen. Auch Almira fand bei der ſteten Gewohnheit, Seraphinens einzige Freundin zu ſeyn, ihre Gedanken bald ſo befangen und auf die ernſten Geheimniße der Religion hingezogen, die, mit der