13
„Weil ihr Maͤnner mit euren Artigkeiten nie freigebiger ſend, als wenn uns ein Schleyer vor eurer Neugierde verbirgt. Glaubt mir— Senor! die Schoͤnheit iſt nur dann am maͤchtig— ſten, wenn ſie bloß geahnet wird;“— verſetzte die Verſchleyerte und ſchlug den Voile zuruͤck.
Kaum hatte Antonio aber das abgezehrte, laͤngſt verbluͤhte, haͤßliche Geſicht einer ihm ganz unbekannten alten Dame erblickt, ſo taumelte er auch ſchon einige Schritte zuruͤck, und ſchrie gleich— ſam unwillkuͤhrlich:„Gott im Himmel! welch' fuͤrchterliche Fratzenlarve!“— waͤhrend er vor Wuth uͤber den ſchrecklichen Irrthum und ſeinen Zeitverluſt nach dem Dunkel des Gartens ſtuͤrzte. Zu ſehr verſtimmt, um an dem rauſchenden Laͤrm des Tanzſaales Behagen zu finden, ſchlenderte er nach dem abgelegenſten Theile des Parkes. Der blaſſe Mond ſtreute ſeinen glaͤnzenden Schimmer uͤber die bunten Beeten, kein Luͤftchen rauſchte in den Zweigen, und unterbrach die heilige Ruhe der Natur. Laͤngſt hatten die Voͤgel ſchon die Koͤpfe zwiſchen die Fluͤgel geſenkt, tiefes Schwei⸗ gen herrſchte ringsumher, als er ploͤtzlich wieder⸗ holtes Angſtgeſchrei vernahm und verwirrtes Ge⸗ tuͤmmel erſcholl.
1


