Teil eines Werkes 
1. Bd. (1868)
Entstehung
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für kenne ich viel zu gut Ihr edles, treues Herz! Wenn das Schreckliche geſchäͤhe und man mich zwingen wollte, ſo würden Sie es ſein, der mich aufrecht erhält ge⸗ wiß, Anatole, Du würdeſt mit mir fliehen, Paul mit ſeiner Virginie.

Als das junge Mädchen ſo ſprach, blickte ſie ihn mit thränenden Augen an, ſie ſchluchzte heftig und da nun nichts ſo gefährlich iſt, als ein junges, ſchönes Mäd⸗ chen weinen zu ſehen, namentlich, wenn man von dem⸗ ſelben liebend auf's Innigſte angeblickt wird, ſo übte das auch hier eine wahrhaft magnetiſche Kraft auf den jungen Mann aus, und ohne daß es eigentlich in ſeiner Abſicht lag, befand er ſich abermals zu den Füßen Anna's, ihre beiden Hände, die ſie ihm weinend entgegenſtreckte, mit Küſſen bedeckend.

Ein Geräuſch an der Zimmerthüre ſchreckte Paul und Virginie zuſammen, und Erſterer hatte ſo viel Geiſtes⸗ gegenwart, um den Stuhl, auf dem er geſeſſen, zwiſchen ſich und das junge Mädchen zu bringen, und ſich ſo das Anſehen eines Abſchiednehmenden zu geben.

Obgleich nur die Kammerjungfer eintrat, ſo ſchien doch Anatole ſeine Vorſicht nicht unnöthig geweſen zu ſein, denn er glaubte auf dem Geſichte der Dienerin ein for⸗ ſchendes Lächeln zu bemerken, ſowie einen fragenden Blick auf die noch mit Thränen erfüllten Augen Anna's von