ſein mußte und welches Jedem unbedingtes Vertrauen einflößte. Es waren dieſes feine und kluge Züge von einer ſo hellen, angenehmen Farbe, daß die Falten des Alters, welche man wohl um den Mund bemerkte, nicht im Stande waren, ſcharf oder ſtörend hervorzutreten, und wenn dieſes Alter auch wohl ſichtbar war, ſobald die alte Frau mit geſchloſſenen Lippen vor ſich niederſchaute, ſo verſchwand es doch faſt gänzlich wieder, wenn man beim Sprechen ihre immer noch ſchönen Zähne ſah, und vol⸗ lends dann, wenn ſie ihre hellen, ſchönen, verſtändigen Augen aufſchlug. Es lag etwas unausſprechlich Freund⸗ liches in ihrem Blicke, und wenn ſie auch ohne zu reden nur, wie ſie zuweilen that, von ihrer Arbeit an den Himmel hinaufſchaute, ſo war es gerade, als ſei ihr Ge— ſicht von einem Sonnenſtrahle beleuchtet.
Dabei hatte ſie etwas Vornehmes in ihrer Haltung und in allen ihren Bewegungen, was indeſſen zu der faſt ärmlichen Zimmereinrichtung und zu ihrer Beſchäftigung nicht gerade paſſen wollte, denn letztere beſtand darin, daß ſie aus einem neben ihr ſtehenden Korbe feine Wäſche Stück für Stück herausnahm, prüfend gegen das Licht hielt und wo ſie etwas auszubeſſern fand, ſich ſogleich an dieſe Arbeit machte. 4 Ihr gegenüber ſaß eine andere Frau, nicht ſo alt wie die ſo eben geſchilderte, aber älter und vor allen
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