Teil eines Werkes 
1. Bd. (1868)
Entstehung
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durch einen rothbackigen Apfel zu verſöhnen, und dieſes geſchah bei dem Hauſe, von dem wir reden, auf die ein⸗ fachſte Art von der Welt; denn obgleich es in der gang⸗ baren Straße, in welcher es ſtand, wie wir eben ſchon bemerkt, nur eine ſchmale Front hatte, ſo war es da⸗ gegen mit ſeiner Tiefe in einen Garten hineingebaut und hatte dort hinaus die ſchönſten, hellſten und luftigſten Räume, beſonders in den oberſten Stockwerken, von wo man nicht nur inen Theil der Stadt überſah, ſondern über die benachbarten Dächer und Schornſteine hinweg in die Umgegend hinein bis dort, wo ſich der Horizont mit ſanft aufſteigenden Bergen ſchloß.

Eines dieſer Zimmer war nun weder reich noch wohl⸗ habend eingerichtet; was ihm aber an koſtbaren Tapeten oder werthvollem Geräthe abging, das erſetzte es durch eine außerordentliche Reinlichkeit, durch einen weißge⸗ ſcheuerten Fußboden, ſauber getünchte Wände, hellgeputzte Fenſter, vor denen ſich weiße, einfache Vorhänge befan⸗ den, und ſtimmte ſo vollkommen mit ſeiner Bewohnerin überein, einer alten Frau von vielleicht ſechzig Jahren, welche an einem der beiden Fenſter dieſer Stube ſaß. Sie trug ein Kleid von ſehr verwaſchenem Kattun, das aber trotzdem einen zierlichen, faſt eleganten Anſtrich hatte, ebenſo wie ihre friſchweiße Haube, unter der ein Geſicht hervorleuchtete, dem man ſchon im erſten Augenblicke gut