Teil eines Werkes 
7./8. Th. (1844)
Entstehung
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Eine Giftmiſcherin.

Die Brinvilliers wurde vor Gericht geſtellt, verurtheilt und hin⸗

gerichtet; man ſchlug ihr den Kopf ab, verbrannte ihren Körper und ſtreute die Aſche in den Wind. Wir kennen eine Frau, die eben ſo viel gethan hat als jene, die vor gar nicht langer Zeit in der eleganteſten Geſellſchaft von Paris lebte, weder ihre Geſtänd⸗ niſſe, noch ihre Memoiren geſchrieben hat, deren Geſchichte uns aber von mehreren Perſonen erzählt worden iſt.

Mad. T. war eigentlich weder ſchön noch hübſch, aber doch eine reizende Frau; ſie hatte blaue Augen, ſchwarzes Haar, einen blaſſen Teint und jenen allgemeinen Ausdruck im Geſicht, in dem Gange und in der Haltung, den man intereſſant zu nennen pflegt. Sie kleidete ſich vollkommen modiſch und ſehr geſchmackvoll. Ob ſie gleich die Tochter des Bedienten eines Unterpräfecten war, ſo hatte doch ihr Benehmen und ganzes Weſen etwas Ausgezeichnetes. In Geſellſchaft, wie unter vier Augen, ſprach ſie wenig, langſam und traurig; ihre Stimme hatte etwas Näſelndes, brachte aber trotzdem einen wunderbaren Eindruck hervor. Ihre von langen Wimpern verſchleierten Augen, aus denen kein Funke von Koketterie blitzte, hatten auf Alle, die ihr nahten, eine unwiderſtehliche zauberiſche Wirkung. Sobald ſie ſich irgendwo befand, beſchäftigte man ſich bloß mit ihr, ohne daß ſie ſich mit den Leuten zu be⸗ ſchäftigen ſchien; man fühlte ſich hingezogen, ſie zu lieben, zu beklagen, ehe man wußte, daß ſie nichts beſaß, was die Lieb

oder das Bedauern hätte rechtfertigen können.