oft ganze Tage an entlegenen Orten des Parks oder in verſchloſſenen Zimmern des Schloſſes zu. Natürlich mußte dies bei einer ſo zahlreichen Dienerſchaft ſehr bald allerlei Gerede veranlaſſen, und es dauerte auch nicht lange, als ſchon die verſchiedenſten Gerüchte in Umlauf kamen.
Die Marquiſe ſah ſich daher genöthigt, ihre Kammermädchen, die Schweſtern Quinet, für ſich zu gewinnen, was ihr nicht ſchwer fiel, da die Mädchen ihr ſehr ergeben waren. Ferner war im Schloſſe Saint Géran ein großer, hagerer und etwas beſchränkter Menſch, der aber immer noch Verſtand genug hatte, irgend eine ſchlechte Handlung auszuführen, wo nicht gar zu erſinnen. Dieſer hatte den Oberbefehl über die Dienerſchaft. Er war ein einfacher Landmann, welchen der Graf zu ſich genommen, und der allmälig zum Hausmeiſter emporgerückt, weil er ſich am Längſten von Allen im Schloſſe befand, und der Gebieter deſſelben ſich von früheſter Kindheit an ihn gewöhnt hatte. Auf der Reiſe nach Paris wollte der Graf ihn nicht mitnehmen, da er fürchtete, er möge zu den dort nöthigen Dienſten nicht geeignet ſein, und ließ ihn daher als Oberaufſeher ſeiner Dienerſchaft zurück. Dieſen Menſchen nahm der Marquis auf die Seite, forſchte ihn auf das Schlaueſte aus, gab ihm Geld, überredete ihn und machte ihn ſich mit Leib und Seele ergeben. Dieſe verſchiedenen Vertrauten nahmen es auf ſich, das Gerede des Bedientenvolks zu hintertreiben, und von jetzt an konnten die Liebenden ihr Verhältniß ungeſcheut fortſetzen.
Als eines Abends der Marquis von Saint Mairent mit der Marquiſe allein zu Tiſche ſaß, wurde die Thorglocke heftig ge⸗ zogen, und es entſtand ein Lärm, welchem ſie Anfangs keine große Aufmerkſamkeit ſchenkten, bis ein Courier, der eben im Galopp von Paris angekommen war und einen Brief des Grafen an den Marquis überbrachte, gemeldet wurde und von der ganzen Diener⸗
ſchaft begleitet in das Zimmer trat. Der Marquis fragte, was das zu bedeuten habe, und wollte durch einen Wink mit der Hand
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