„Haſt Du vielleicht ein Meſſer,“ ſagte der Marquis,„daß ich dieſen Schurken in die Gurgel ſtoßen könnte?“
„Warten Sie noch eine Stunde,“ flüſterte das junge Mädchen; „ich beſchwöre Sie, nur noch eine Ansige Stunde, dann ſind ſie Alle eingeſchlafen.“
Die Stimme des jungen Mädchens war ſo ſanft und ſchmei⸗ chelnd, die Arme, die ſie bittend nach ihm ausſtreckte und die ſeine Hand berührte, waren ſo voll und zart, daß der Marquis blieb, und nach einer Stunde ſie ihn bitten mußte, ſich davonzumachen.
Der Marquis drückte einen letzten Kuß auf die geſtern noch ſo unſchuldigen Lippen und öffnete dann wieder die Thür. Jetzt war Alles ſtill, nur in weiter Ferne ſchlugen die Hunde an. Er beugte ſich über das Geländer und ſah genau einen Soldaten, der, das Geſicht nach der Erde gewandt, auf Stroh lag.
„Ei, wenn ſie aufwachen?“ murmelte das junge Mädchen ängſtlich.
„Keinen Falls ſollen ſie mich lebendig haben,“ ſagte der Mar⸗ quis;„ſei ganz ruhig.“
„So leben Sie wohl,“ ſchluchzte das arme Kind leiſe,„und
möge der Himmel Sie in ſeinen Schutz nehmen!“
Er ſtieg über das Geländer, ließ ſich langſam an den Händen herunter, ſchwebte, ſich am Rande des Balkons haltend, einen Augenblick in der Luft und fiel dann auf einen Düngerhaufen.
Das Mädchen ſah ihn nach dem Schauer eilen, ſchnell ein Pferd losbinden, ſich heraufſchwingen, gegen den Strauchzaun galoppiren, ihn durchbrechen und querfeldein nach der Landſtraße zu jagen.
Das arme Kind beugte ſich über die Gallerie herunter und beobachtete ängſtlich den Reiter von der Straßenpolizei, welcher unten auf dem Stroh lag; doch hielt ſie ſich bereit, bei der ge⸗
ringſten Bewegung deſſelben zu verſchwinden.
Das Klirren der Sporen auf dem Pflaſter des Hofes und die


