Teil eines Werkes 
5./6. Th. (1844)
Entstehung
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Kein Tag verging, ohne daß er einen Zug von Scheinheilig⸗ keit zum Beſten gab. Eine ſeiner Schweſtern, Novize im Nonnen⸗ kloſter der Verkündigung Mariä, ſollte während des Oſterfeſtes ihre Gelübde ablegen. Derues bat ſeine Gebieterin um Erlaubniß, dieſer Ceremonie beiwohnen zu dürfen, und beſchloß, am Char⸗ freitag zu Fuß nach dem Kloſter hinzureiſen. Als er von Frau Legrand Abſchied nahm, war der Laden voll Menſchen, und Alle erkundigten ſich nach dem Zweck ſeiner Reiſe. Seine Principalin forderte ihn auf, etwas zu eſſen und ein Glas Liqueur zu trinken (Wein trank er niemals), bevor er abreiſe.

Was denken Sie, Madame, rief er;eſſen an einem Tage wie dieſer, an welchem der Heiland gelitten hat? Nur ein Stück Brot will ich mitnehmen, und auch dies nicht eher anrühren, bis ich in meiner Nachtherberge bin, denn ich gedenke die Reiſe nüch⸗ tern zu machen.

Das war aber noch nicht genug für ihn; er lauerte nur auf eine Gelegenheit, um ſich einen eben ſo großen Ruf der Recht⸗ ſchaffenheit zu erwerben. Der Zufall bot ihm eine ſolche, und er ergriff ſie ohne Bedenken, obgleich die Anklage, welche er vor hatte, ein Glied ſeiner eigenen Familie treffen ſollte.

Einer ſeiner Brüder, ein Schenkwirth in Chartres, beſuchte ihn. Derues gab vor, er wolle ihn die Merkwürdigkeiten von Paris ſehen laſſen, und bat ſeine Principalin um Erlaubniß, ihn einige Tage bei ſich aufzunehmen. Den Tag vor der Abreiſe ſeines Bruders bricht Derues das Schloß ſeines Felleiſens auf, wirft Alles herum, was darin iſt, wuhlt in ſeinen Kleidern herum und findet zwei neue baumwollene Mützen. Auf ſeinen Ruf kommen mehrere Leute herauf; in dieſem Augenblick kehrt ſein Bruder zurück. Er nennt ihn einen ſchändlichen Dieb und beſchuldigt ihn, Tags zu⸗ vor im Comptoir der Frau Legrand Geld entwendet zu haben, um ſich die beiden Mützen zu kaufen. Sein Bruder vertheidigt ſich und betheuert ſeine Unſchuld. Er iſt über dieſe unbegreifliche