einen ſo ausgezeichneten jungen Mann für ſich gewonnen, der ſicherlich den Segen des Himmels auf ihr Haus herabziehen werde. Derues ſtellte ſich ſehr beſcheiden und erröthete dabei; ja oft that er, als bemerke er nicht, daß Pater Cartault komme, nahm irgend ein Geſchäft außer dem Hauſe zum Vorwand und ließ ſeinem leichtgläubigen Lobredner das Feld allein. Aber der Pater Cartault ſchien Derues viel zu nachſichtig; er fürchte, ſagte er, daß ſeine übertriebene Milde ihm ſeine Sünden zu leicht vergebe, und er wage nicht, ſich zu begnügen mit einer Abſolution, welche man ihm niemals verweigere. Das Jahr war noch nicht um, als er einen zweiten Beichtvater ſuchte, den Pater Denys, einen Franziskaner. Er zog Beide zu Rath und legte bald dem Einen, bald dem Andern die Zweifel ſeines Gewiſſens vor. Jede Buße ſchien ihm zu leicht, und er erhöhte die Strenge der Beichtväter durch fortwährende Selbſtkaſteiungen. Tartuffe ſelbſt hätte ſich für beſiegt erklären müſſen.
So trug er zwei Schweißtücher mit Reliquien unſerer lieben Frau von Chantall und eine Medaille des heiligen Franziskus von Sales. Oft gab er ſich ſelbſt Geißelhiebe. Seine Principalin erzählte unter Anderm, daß er ſie gebeten, einen Kirchenſitz in der Pfarrei St. Nicolas zu miethen, damit er an ſeinen Freitagen deſto beſſer die Meſſe hören könne. Er hatte ihr ſogar eine kleine Summe, die Frucht ſeiner Erſparniß, übergeben, um die Hälfte der Koſten zu tragen; eine ganze Faſtenzeit hindurch hatte er auf Stroh geſchlafen, und es ward ihm leicht, dies durch die Magd der Frau Legrand pekannt werden zu laſſen. Anfangs that er, als wolle er es ihr verheimlichen wie eine ſchlechte Handlung, traf halbe Vorſichtsmaßregeln, um ſie nicht in ſein Zimmer kommen zu laſſen, und verbot ihr, als ſie es doch erfuhr, davon zu ſpre⸗ chen, ſo daß ſie natürlich erſt rechte Luſt bekam, ihre Entdeckung bekannt zu machen. Ein ſolcher Beweis von Frömmigkeit, gepaart mit ſo verdienſtlicher Verſchwiegenheit, mußte die gute Meinung, welche man von ihm hatte, bedeutend verſtärken.
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