Teil eines Werkes 
5./6. Th. (1844)
Entstehung
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keuchend und ſchweißtriefend die ſchwerſten Laſten ſchleppen zu ſehen, die er nur aus Dienſtfertigkeit trug, ohne jemals eine Belohnung anzunehmen. Die arme Wittwe, nach deren Habe ihn ſchon ge⸗ lüſtete, ließ ſich vollſtändig von ihm täuſchen, verſchmähte den Rath ihres Schwagers und hörte nur auf die allgemeinen Lob⸗ ſprüche ihrer Nachbarn, welche das Benehmen Derues und ſeine lebhafte Theilnahme für ſie rührte; er hatte häufig Gelegenheit, von ihr zu ſprechen, und that es nie, ohne eine unbegrenzte Ergebenheit an den Tag zu legen. Solche Aeußerungen wurden der guten Frau hinterbracht und ſie verließ ſich um ſo mehr darauf, daß ſie aufrichtig gemeint ſeien, da nur der Zufall ſie ihr zu Ohren brachte, und es ihr nicht einfallen konnte, ſie für ſchlau vorher bedacht und liſtig berechnet zu halten.

Derues trieb die Täuſchung ſo weit als möglich; doch wußte er zur rechten Zeit innezuhalten, ehe ſeine Heuchelei verdächtig werden konnte. Da er ſtets mit dem Gedanken beſchäftigt war, zu täuſchen oder zu ſchaden, ſo konnte ihn nichts überraſchen, und wie manches Inſect ſich in eine Puppe einſpinnt, ſo wußte er ſich in ein Gewebe von Lügen einzuhüllen, das man erſt hätte durch⸗ dringen und zerreißen müſſen, um zu ſeinen wahren Gedanken zu gelangen. Der Unſtern dieſer Frau, einer Mutter von vier Kindern, wollte es, daß ſie ihn als Ladendiener bei ſich aufnahm; es ge⸗ ſchah im Jahre 1767.

Derues wußte bei ſeiner neuen Principalin einen glänzenden Anfang zu machen. Im ganzen Stadtviertel St. Victor ſprach man nur von ſeiner muſterhaften Frömmigkeit. Um ſich dieſen Heiligen⸗ ſchein zu bewahren, ließ er es ſeine erſte Sorge ſein, die Wittwe zu bitten, ihm einen Beichtvater vorzuſchlagen. Sie wies ihn an den ihres verſtorbenen Mannes, den Pater Cartault, einen Mönch vom Karmeliterorden. Dieſer war bald erſtaunt über die fromme Demuth ſeines Beichtkindes und ging niemals beim Laden vorüber, ohne einzuſprechen und Frau Legrand Glück zu wünſchen, daß ſie