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Aufenthalt bei ſeinem letzten Herrn offenbarte ihm ſeinen Beruf. Unaufhörlich umgeben mit wohlthuenden und ſchädlichen Arznei⸗ mitteln, witterte der künftige Giftmiſcher das Gift. Wahrſcheinlich hätte er ſich in Chartres niedergelaſſen, aber wiederholte Diebſtähle zwangen ihn, die Stadt zu verlaſſen. Da das Apothekergeſchäft die beſten Ausſichten darbot, auch ſeinem Geſchmack zuſagte, ſo gab ihn ſeine Familie zu einem Apotheker nach Paris in der Straße Comteſſe⸗d'Artois.
Im Jahre 1760 kam Derues nach Paris. Dies war ein neuer Schauplatz für ihn, auf dem er noch nicht bekannt war und auf dem er ſich ganz behaglich fühlte. Kein Verdacht laſtete auf ihm, und mitten unter dem Geräuſch und Gewühl dieſer ungeheuren Behauſung aller Laſter war es ihm leicht möglich, ſich durch Heu⸗ chelei den Ruf eines Ehrenmannes zu erwerben. Sein Herr hatte die Abſicht, wenn ſeine Lehrzeit um ſei, ihn bei ſeiner Schwägerin, einer Gewürzkrämerin in der Straße St. Victor, unterzubringen, empfahl ihr den jungen Mann, lobte ſeinen Eifer und meinte, ſeine Kenntniſſe würden ihr bei ihrem Geſchäft von Nutzen ſein. Dieſe Frau war ſeit mehreren Jahren verwittwet. Sein Herr wußte freilich nichts von den Unterſchleifen, die ſich Derues erlaubt und die er geſchickt auf Andere zu ſchieben gewußt. Eines Tages aber vergaß er ſeine Vorſicht und gewöhnliche Heuchelei und unter⸗ fing ſich, der Frau ſeines Principals jenen Vorſchlag zu machen, welchen wir vorhin ſchon erwähnt haben. Sie erſchrak, befahl ihm zu ſchweigen, und drohte, ihn durch ihren Mann fortjagen zu laſſen. Er merkte wohl, daß er jetzt doppelt ſo ſchlau heucheln müſſe, um dieſen ungünſtigen Eindruck zu verwiſchen. Die Schwä⸗ gerin ſeines Principals war ſehr für ihn eingenommen, aber er hatte es ſich auch etwas koſten laſſen, ihr Vertrauen zu gewinnen. Täglich bot er ihr ſeine Dienſte an und jeden Abend trug er ihr in einem Korbe die Waaren hin, welche ſie gebrauchte. Es war ein erbarmungswürdiger Anblick, den ſo ſchwach gebauten jungen Mann


