geiſtige Größe und eine Art von falſchem Hervismus verlangen; es giebt Verbrechen, welche die regelmäßige und geſetzliche Kraft der Geſellſchaft im Schach halten, und welche man nicht ganz ohne Bewunderung betrachten kann. Hier wird der Leſer nichts von alledem finden, auch keine Spur von Muth, ſondern nur eine ſchmählige Habſucht, welche ihre Probeverſuche damit macht, der Armuth ihre Heller zu ſtehlen; eine kleinliche gemeine Bosheit, die keinen offenen Angriff wagt, ſondern nur in der Finſterniß mordet und ſich vor aller Welt nur die Betrügereien eines ſchurkiſchen Kaufmannes und eines nichtsnutzigen Wucherers erlaubt. Seine Lebensgeſchichte iſt die eines ekelhaften Ungeziefers, welches in Schluchten und Klüften umherkriecht und jeden Pfad mit ſeinem giftigen Geifer beſpritzt.
Das iſt der Charakter eines Mannes, deſſen Leben wir hier erzählen wollen, in dem ſich die Idee des Verbrechens auf das Vollkommenſte verkörpert, und der ſelbſt die grauenhafteſten Erfin⸗ dungen der Dichter und Romanſchreiber übertroffen hat. An und für ſich unwichtige Umſtände, Thatſachen, welche man bei einem Anderen nur kindiſch finden würde, erhalten bei ihm durch das, was ihnen vorhergegangen oder gefolgt, eine ſchwere Bedeutſamkeit und können darum nicht mehr mit Stillſchweigen übergangen wer⸗ den. Der Schriftſteller hat ſie als die Spuren des Entwicklungs⸗ ganges der gefallenen Seele zu ſammeln und aufzubewahren. Er muß an ihnen die Stufen zu zählen wiſſen, die der Verbrecher nach und nach beſtiegen hat..
Wir ſahen Derues erſte That, ſeinen Mord in früheſter Kind⸗ heit, wir fanden ihn zwanzig Jahre ſpäter wieder als einen Brand⸗ ſtifter und betrügeriſchen Bankeroteur. Was that er in der Zwi⸗ ſchenzeit? Mit welchen Schurkereien und Verbrechen hat er den Raum von zwanzig Jahren ausgefüllt? Kehren wir noch einmal zu ſeiner Kindheit zurück. Die Verwandten, welche ihn erziehen wollten, jagten ihn fort wegen ſeines unüberwindlichen Hanges


