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Theilnahme an ſeinem vorgeblichen Unglück bezeugte. Er verlor die Zettelträgerin aus dem Gedächtniß, ſonſt hätte ſie ihre Schwatz⸗ haftigkeit mit dem Leben bezahlen müſſen. Dennoch aber hatte dieſes Weib in ihrer Trunkenheit ein prophetiſches Wort geſprochen und dies war das Sandkorn, über welches er einſt fallen ſollte.
„Alle Leidenſchaften,“ ſagte La Bruyère,„ſind Lügnerinnen; ſie verſtellen ſich, ſo gut ſie können, vor fremden Augen, und ſuchen ſich ſogar vor ſich ſelbſt zu verbergen. Es giebt kein Laſter, das nicht einer Tugend ähnlich ſähe und aus dieſem Scheine Vortheil zöge.“
Das ganze Leben Derues iſt ein Beweis für die Wahrheit dieſer Bemerkung. Er war habſüchtig und trieb Giftmiſcherei. Aber eine geheuchelte Frömmigkeit war das Mitttel, durch welche er ſeine Schlachtopfer täuſchte, ſie in ſeine Schlingen lockte und in der Stille erwürgte.
Seine ſchreckliche Berühmtheit hat erſt im Jahre 1777 begonnen, als er den Doppelmord an Madame Lamotte und ihrem Sohne be⸗ ging, und bei ſeinem Namen erinnert man ſich nicht, wie bei dem anderer großer Verbrecher, an eine lange Reihe von Schandthaten; aber wenn man dieſe verſteckte und gemeine Perſönlichkeit genauer unterſucht, ſo findet man einen Schmutzflecken an jeder Stelle. Niemand vielleicht hat ihn übertroffen oder iſt ihm auch nur gleich⸗ gekommen in der Verſtellungskunſt, der Heuchelei und bodenloſeſten Verderbtheit. Derues ſtarb ſchon in ſeinem 32. Jahre, aber jeder Augenblick ſeines Lebens gehörte dem Laſter, und dieſes Leben, das glücklicherweiſe kurz war und ein angemeſſenes Ende nahm, iſt ein Gewebe verbrecheriſcher Gedanken und Thaten; das Böſe war ſein Lebenselement; er trug niemals Bedenken, er hatte niemals Gewiſſensbiſſe; ohne Raſt und Ruh' mußte er lügen, ſtehlen und vergiften. Dann und wann erhebt ſich der Argwohn gegen ihn,
und unbeſtimmte Gerüchte werden über ihn verbreitet, aber er weiß durch neue Betrügereien, durch neue Täuſchungen die Vergangen⸗ *.


