Anſpruch genommen, welche gedruckte Papiere in der Hand hielt und ſich mit Gewalt bis zur Thür des Ladens einen Weg gebahnt hatte.
„Hier habe ich,“ rief ſie,„den Urtheilsſpruch des Parlements gegen Johann Robert Vaſſel, der des betrügeriſchen Bankerotts angeklagt und überführt iſt.“
Derues blickte auf und erkannte eine Zettelträgerin, die oft bei ihm anſprach, um ein Glas Branntwein zu trinken, und mit welcher er vor einem Monat in Folge einer Betrügerei, auf der ſie ihn ertappt, und für die ſie ihn in ihrer gemeinen Sprache mit Vorwürfen überhäufte, einen heftigen Streit gehabt hatte. Seitdem hatte er ſie nicht wieder geſehen. Das Volk, welches den Gewürzkrämer hoch verehrte, glaubte, ſie wolle eine Anſpie⸗ lung auf Derues Unglück machen, und eben war man im Begriff, ſie dafür zu züchtigen; aber ſie ſtemmte eine Hand in ihre Seite, hielt ſich durch eine drohende Bewegung der andern Jeden vom Leibe, der ihr zu nahe kommen wollte, und rief:„Was? Ihr glaubt an die Narrenspoſſen, die er Euch einreden will? Ja, es iſt wahr, dieſe Nacht iſt Feuer in ſeinem Keller ausgekommen, und ſeine Gläubiger werden dumm genug ſein, nicht auf Bezah⸗ lung zu dringen. Aber wißt. Ihr auch, daß er gar nichts ver⸗ loren hat?“
„Sein ganzes Waarenlager,“ ſchrie man von allen Seiten, „mehr als 9000 Livres werth; glaubt die alte Hexe, daß das Oel und der Branntwein nicht brennt? Sie könnte es wohl wiſſen, denn ſie ſäuft genug; wenn man ein Licht an ihren Leib hielte, er würde anbrennen.“
„Möglich!“ rief die Zettelträgerin und focht wieder mit den Armen um ſich herum;„aber unterſtehe ſich einer, es zu pro⸗ biren. Es iſt ganz klar, daß der Kerl ein Schuft iſt; drei Nächte hindurch hat er Alles aus ſeinem Keller herausgeſchleppt und nichts darin gelaſſen, als leere Fäſſer und Schubkaſten ohne Waaren. Zum Teufel, auch ich habe die Mährchen wie alle Welt ſo hin⸗
2
5


