Teil eines Werkes 
5./6. Th. (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

Ich höre nichts, antwortete Anton.

Seine Lippen zuckten, und ein Zittern bemächtigte ſich ſeiner Glieder.

Mir fängt es an langweilig zu werden, daß ich todt bin, ich will lieber auferſtehen und den Anderen nachlaufen.

Wenn Du Dich rührſt, ſo fallen die Bücher um; warte, ich will ſie halten.

Er knieete nieder, nahm alle ſeine Kräfte zuſammen und ſtieß gegen den Bücherhaufen, daß er umfiel.

Peter griff ſich mit den Händen nach dem Halſe.

Was machſt Du da? rief er ſchon mit halberſtickter Stimme.

Anton ſchlug die Arme untereinander und ſagte:Ich räche mich.

Der Strick war etwa eine Hand breit zu kurz, ſo daß Peter Buttel die Erde nicht berührte. Die Schwere ſeines Körpers hatte in dem Augenblick, als er den Stützpunkt verlor, den Zweig etwas gebogen, er war aber ſogleich zurückgeſchnellt und das arme Kind machte vergebliche Anſtrengungen ſich zu retten. Die Schlinge zog ſich immer feſter zuſammen, die Beine zappelten, die Arme ſuchten, nach allen Seiten herumtaſtend, nach einem Haltepunkt; bald aber wurden die Bewegungen langſamer, die Glieder ſtarr, und die Arme ſanken unbeweglich herunter; nur der Leichnam ſchwankte noch hin und her.

Jetzt begann Anton nach Hülfe zu ſchreien. Als ſeine Came⸗ raden ankamen, weinte er ſchrecklich und riß ſich die Haare aus. Er ſchluchzte ſo laut und ſeine Verzweiflung war ſo groß, daß er ſich kaum verſtändlich machen konnte, als er erzählte, wie die Bücher unter Peter Buttel zuſammengebrochen und er vergebens verſucht, ihn in den Armen aufzuhalten.

Dieſer Knabe, der ſchon in ſeinem dritten Jahre verwaiſt war, Anfangs von einem Verwandten erzogen, und als dieſer ihn eines Diebſtahls wegen wegjagte, von ſeiner Couſine aufgenommen wurde, die er ſchon oft durch ſeine frühe Verderbtheit entſetzt