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Zunge heraus;„liegen die Bücher auch feſt? Mir ſcheint, ſie be⸗ wegen ſich.“
„Nein,“ antwortete Anton,„ſie liegen ganz feſt, fürchte Dich nicht, Peter.“
„Der tauſend, wenn ſie umfielen, wäre der Strick am Ende nicht lang genug.“
„Meinſt Du wirklich?“
Ein ſchrecklicher Gedanke zuckte wie ein Blitz durch das Haupt des Knaben. Die junge Hyäne witterte zum erſten Male Blut.
Anton maß mit dem Auge die Höhe der Grundlage, auf der Peter ſtand, und die Länge des Seils vom Aſt bis an ſeinen Hals.
Der Abend war ſchon angebrochen, und nur noch wenige bleiche Lichtſtreifen fielen in das Gehölz hinein. Anton ſtand ſchweigend und unbeweglich und lauſchte, ob irgend etwas in der Nähe zu hören ſei.
Es müßte für einen Moraliſten im höchſten Grad intereſſant ſein, es zu belauſchen, wie ſich in den Falten des Menſchenherzens der erſte Gedanke des Verbrechens entwickelt, wie dieſe giftige Saat allmälig emporwächſt und alle anderen Gefühle erſtickt; es müßte höchſt lehrreich ſein, dieſem Kampf des Guten und Böſen, ſo ſchwach das erſtere auch oft ſein mag, aufmerkſam zuzuſehen. So weit das menſchliche Urtheil ausreicht, ſo lange der Wille zwiſchen Gut und Böſe wählen darf, ſo lange darf man Niemand anklagen, als den Schuldigen ſelbſt, und ſo lange hat die größeſte Miſſethat keine anderen Quellen, als die in der Bruſt des Urhebers. Es war eine menſchliche That, es waren Leidenſchaften, die man hätte bändigen können, die weder den Geiſt verwirren, noch auch das Gewiſſen in Betreff der Strafbarkeit zweifelhaft ſein laſſen. Wie aber ſoll man bei einem Kinde die plötzliche Erſcheinung des Mord⸗ gedankens begreifen, ohne an ein blindes Vorherbeſtimmen des Schickſals zu glauben?
„Hörſt Du ſie kommen?“ fragte Peter Buttel.


