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Ruhe zu leben. Sobald dies bekannt wurde, nahm die Deſertion immer mehr überhand, und endlich öffnete die Beſatzung den Be⸗ lagernden die Thore. Man fürchtete aber einen Hinterhalt und rückte nur langſam vor, ſo daß Ali, der ſich längſt auf Alles vor⸗ geſehen, Zeit behielt, einen Ort zu erreichen, welchen er ſeine letzte Zuflucht nannte.
Dies war ein verpaliſadirter Thurm vom ſtärkſten Mauerwerk und dicht mit Kanonen beſetzt. Unter demſelben befand ſich eine geräumige natürliche Höhle, in welche er ſeine Kriegsvorräthe, Koſtbarkeiten, Lebensmittel und Schätze geſchafft hatte. Dieſe Höhle war ſeine letzte Verſchanzung, gleichſam ein bei Zeiten beſorgtes Grab. Es beunruhigte ihn daher nur wenig, daß ſein Schloß in die Hand des Feindes gefallen war. Er ließ ihn ruhig das Eingangs⸗ thor beſetzen, die Geißeln befreien, die Baſtionen beſichtigen und die Kanonen zählen; als man ihm aber nahe genug kam, um ihn hören zu können, ließ er Kurſchid durch einen Diener bitten, ihm einen Parlementair zu ſchicken.
Der Seraskier ſchickte ſogleich einige angeſehene Leute ſeines Gefolges. Ali empfing ſie als Vezier und lud ſie ein, mit ihm hinunterzugehen. Dort zeigte er ihnen 2000 Fäſſer Pulver, ſeine darüber gehäuften Schätze und eine Menge Koſtbarkeiten, welche nebſt den ihm noch übrigen Lebensmitteln in dieſem Vulkan auf⸗ geſchichtet lagen. Seine Beſatzung beſtand noch aus 50 Mann, welche Alle bereit waren, ſich mit ihm unter den Trümmern zu begraben. Nicht weit von den Pulverfäſſern ſtand ein junger, Ali höchſtergebener Mann, Selim, mit einer brennenden Lunte in der Hand, jeden Augenblick bereit, das Schloß in die Luft zu ſprengen. Ali zog aus ſeinem Gürtel eine Piſtole, als wolle er ins Pulver hineinſchießen. Sogleich ſchrieen Kurſchid's Abgeſandte vor Schreck auf und warfen ſich ihm zu Füßen. Er lächelte und ſagte:„Ich verlange ein blutigeres Todtenopfer; nicht Euch, die Ihr mich wie Freunde beſucht, ſondern Kurſchid, den ich lange Zeit für meinen


