„Ich entſchlage mich allen Zwanges,“ ſagte Herr Cheſter,„den natürliche Zuneigung anderen Menſchen auflegen würde, und zerreiſſe alle Bande, die der Wahrheit und des Pflichtgefühls ausgenommen. Miß Haredale, Ihr ſeyd betrogen— hintergangen von Eurem unwürdigen Liebhaber— und leider auch mei⸗ nem unwürdigen Sohne.“
Sie ſah ihn noch immer feſt an, ohne ein Wort zu ſprechen.
„Ich habe mich immer ſeinen Liebesbetheuerun⸗ gen gegen Euch in den Weg geſtellt; Ihr werdet mir die Gerechtigkeit widerfahren laſſen, theuere Miß Haredale, Euch deſſen zu erinnern. Euer Onkel und ich, wir haben uns in früherer Zeit verfeindet, und wäre mein Sinn nach Rache geſtanden, ſo hätte ich ſie hier finden können. Doch mit dem Alter wird man weiſer— vielleicht auch beſſer, wie ich hoffe— und von Anfang an bin ich ſeinen Bewerbungen in den Weg getreten. Ich ſah das Ende voraus, und hätte es Euch wohl erſparen mögen, wenn es mir möglich geweſen wäre.“
„Sprecht unumwunden, Sir,“ ſtotterte ſie.„Ent⸗ weder täuſcht Ihr mich, oder ſeyd Ihr ſelbſt getäuſcht. Ich glaube Euch nicht— kann— darf Euch nicht glauben.“
„Zuvörderſt,“ ſagte Herr Cheſter beſchwichtigend, —„denn vielleicht liegt in Eurem Herzen ein Ver⸗ druß verborgen, von dem ich keinen Nutzen ziehen moͤchte— bitte ich Euch, dieſen Brief zu nehmen.


