Der Morgen kam. Nell fühlte ſich viel ſchwä⸗ cher, es ſchwamm ihr vor den Augen, und auch ihr Gehörſinn war nicht mehr ſo ſcharf wie geſtern. Und doch beklagte ſie ſich nicht— würde ſich vielleicht nicht einmal beklagt haben, wenn auch nicht die Ver⸗ anlaſſung zum Schweigen ihr zur Seite geweſen wäre. Die Hoffnung entſchwand ihr, ſich je aus dieſen verlorenen Orten herauswinden zu können, und eine dunkle Ahnung bemächtigte ſich ihrer, daß ſie ſehr krank, vielleicht zum Tode krank ſey; aber ſie fühlte weder Furcht, noch Beklommenheit.
Ein Widerwillen gegen Speiſe, deſſen ſie ſich nicht eher bewußt wurde, als bis ſie ihren letzten Penny für Brod ausgegeben hatte, verhinderte ſie, ſogar an dieſem kärglichen Mahl Theil zu nehmen. Ihr Großvater aß mit Gier, und ſie freute ſich dar⸗ über.
Ihr Weg führte ſie über ähnliche Schauplätze, wie geſtern, ohne daß ein Wechſel, oder eine Ver⸗ beſſerung eingetreten wäre. Dieſelbe dicke, kaum athembare Luft, derſelbe verſengte Boden, dieſelbe hoffnungsloſe Ausſicht, die gleiche Noth und Armſe⸗ ligkeit; die Gegenſtände erſchienen ihr trüber, der Lärm geringer, der Weg rauher und unebener, denn ſie ſtolperte hin und wieder, und raffte ſich mit Mühe auf, um ein Fallen zu vermeiden. Armes Kind! die Urſache lag in deinen wankenden Füßen.
Gegen Mittag beklagte ſich ihr Großvater bitter⸗ lich über Hunger. Sie näherte ſich einer jener arm⸗


