nem Geheimniß nachzuforſchen, ſo wollte ich mich auch nie in das ſeinige drängen. Es mag in dieſer gegenſeitigen ſtummen Zuverſicht für uns Beide etwas Schmeichelhaftes und Angenehmes gelegen haben, das vielleicht gleich vom Anfange an unſerer Freund⸗ ſchaft eine beſondere Wärme verlieh,— doch ſey dem, wie ihm wolle, wir wurden Brüder, und doch kenne ich ihn nur als den tauben Herrn.
Ich habe geſagt, daß die Abgeſchiedenheit mir zur Gewohnheit geworden. Wenn ich hinzufüge, daß der taube Herr und ich zwei Freunde haben, ſo ſage ich damit nichts, was mit dieſer Erklärung im Wider⸗ ſpruch ſtünde. Ich verbringe jeden Tag viele Stunden in einſamen Studien, habe keine weiteren Freunde oder irgend einen Freundesverkehr, als dieſen, ſehe ſie nur zu beſtimmten Tageszeiten, und gelte, dem ganzen Weſen und Zweck unſerer Verbindung nach, für einen Geiſt, der die Zurückgezogenheit liebt.
Wir ſind verſchloſſene Männer, ob deren frühe⸗
ren Schickſalen gewiſſermaßen eine Wolke ſchwebt, deren Feuer aber demungeachtet nicht mit dem Alter verkühlte, deren romantiſcher Geiſt noch nicht ver⸗ braust hat, und welche die Welt lieber als einen angenehmen Traum betrachten, als zu ihrer rauhen Wirklichkeit erwachen mögen. Wir ſind Alchymiſten, welche die Eſſenz der ewigen Jugend aus Staub und Aſche deſtilliren, die ſpröde Wahrheit in tauſend Licht⸗ und Luftgeſtalten aus ihrem tiefſten Quell


