David Kopperfield. 113
Was kommt da für ein Schiff von Indien heim⸗ geſegelt, und was iſt das für eine engliſche Dame, die an einen alten ſchottiſchen Kröſus mit großen Klappen von Ohren verheirathet iſt? Kann das Julia Mills ſein?
Ja wohl iſt es Julia Mills, launiſch und zimperlich, mit einem ſchwarzen Bedienten, der ihr Karten und Briefe auf einem goldenen Präſentirteller überbringt, und einem kupferfarbigen Frauenzimmer in weißer Leinwand, ein hellfarbenes Tuch um den Kopf gewunden, um ihre Tif⸗ fin in ihrem Ankleidezimmer zu bedienen. Aber Julia führt in dieſen Tagen kein Tagebuch mehr, ſingt nie „Der Liebe Klagelied“ mehr, zankt ſich fortwährend mit dem alten ſchottiſchen Kröſus, welcher eine Art gelber Bär mit einer gegerbten Haut iſt. Julia ſteckt im Gelde bis an den Hals und ſpricht und denkt nichts Anderes. Mir gefiel ſie beſſer in der Wüſte Sahara.
Oder vielleicht iſt dieſes die Wüſte Sahara. Denn obwohl Julia ein ſtattliches Haus hat und gewaltige Geſellſchaft bei ſich ſieht und alle Tage verſchwenderiſche Gaſtmähler giebt, ſehe ich kein Hälmchen Grünes um ſie ſprießen und nichts, was zu Frucht oder Blüthe gelangen könnte. Was Julia„Geſellſchaft“ nennt, ſehe ich; unter ihnen Mr. Jack Maldon, der von ſei⸗ nem durch ein erkauftes Patent erlangten Platze höh⸗ niſch über die Hand lächelt, die es ihm verlieh, und zu mir vom Doctop als„ſo bezaubernd altmodiſch“ ſpricht. Aber wenn das Wort Geſellſchaft der Name für ſolche hohle Herren und Damen iſt, Julia, und wenn man als das Erkennungszeichen der dazu Gehörigen Gleichgültigkeit gegen Alles, was die Menſchheit vor⸗ wärts oder rückwärts bringen kann, bezeichnet, ſo glaube ich, wir haben uns in derſelben Wüſte Sahara verwirrt und thäten beſſer, zuzuſehen, wie wir uns herausfänden.
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