David Kopperfield. 101
Die Stimme verſagte ihm, als er dieſe Worte ſprach, und der Ernſt, deſſen ich mich ſo wohl erinnerte, über⸗ zog ſein Geſicht.
„Bewirkte es eine große Veränderung in ihr?“ fragten wir.
„Ei ja wohl, auf lange, lange Zeit!“ antwortete er mit Kopfſchütteln,„wo nicht bis auf dieſe Stunde. Aber ich denke, die Einſamkeit hat ihr gut gethan. Und ſie hatte viel zu ſchaffen mit Abwarten des Hühnerviehs und dergleichen und wartete es auch gut ab und kam durch. Ich möchte wiſſen,“ ſagte er gedankenvoll,„wenn Sie meine Emilchen jetzt ſehen thäten, Musje Davchen, ob Sie ſie wohl wiedererkennen würden?“
„Iſt ſie ſo verändert?“ erkundigte ich mich.
„Ich weiß nicht. Ich ſehe ſie alle Tage und weiß es nicht; aber manchmal hab' ich ſo gedacht. Eine dünne Geſtalt,“ ſagte Mr. Peggotty, ins Feuer blickend,„eher abgezehrt zu nennen; ſanfte, traurige blaue Augen; ein feines, zartes Geſicht, einen ſchönen Kopf, der ein Bis⸗ chen geſenkt iſt; eine ruhige Stimme und Art— faſt ſchüchtern. Das iſt Emilchen!“
Wir beobachteten ihn ſchweigend, als er ſo da ſaß und immernoch ins Feuer blickte.
„Manche denken,“ fuhr er fort,„daß ſie'ne un⸗ glückliche Liebe gehabt hat; Manche, daß der Tod ihre Heirath verhindert hat. Niemand weiß, wie es iſt. Sie hätte recht wohl heirathen können, wer weiß wie viele Male; aber, Oheim, ſagte ſie zu mich, das iſt auf immer vorbei. Heiter, wenn ſie mit mich zuſammen iſt, in ſich zurückgezogen, wenn andere Leute dabei ſind, froh, wenn ſie auch noch ſo weit gehen muß, um einem Kinde etwas zu lernen oder einen Kranken abzuwarten, oder wenn ſie einem jungen Mädchen bei ihrer Hoch⸗


