Teil eines Werkes 
10. Theil (1850)
Entstehung
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David Kopperſield. 89

nicht mißverſtehen! Ich muß offen ſprechen. Wenn Du irgend einen Gedanken, ſei er auch noch ſo unbe⸗ ſtimmt, hegſt, daß ich das Glück, das Du Jemand ver⸗ leihen wirſt, beneiden, daß ich mich nicht beſcheiden könnte, vor einem Dir theurern Beſchützer, den Du Dir erwählt, zurückzutreten, daß ich nicht vermöchte, von dem Orte aus, wohin ich dann verwieſen ſein würde, ein zufriedener Zeuge Deines Wohlergehens zu ſein, weiſ ihn von Dir; denn ich verdiene das nicht. Ich habe nicht ganz umſonſt geduldet. Du biſt nicht ganz umſonſt meine Lehrerin geweſen. In dem, was ich für Dich empfinde, iſt nichts von Selbſtſucht.

Sie war jetzt ſtill. Kurze Zeit darauf wendete ſie ihr bleiches Geſicht mir zu und ſagte mit gedämpfter Stimme, die ihr dann und wann verſagte, aber ſehr klar war:

Ich bin es Deiner reinen Freundſchaft ſchuldig, Trotwood welche ich in der That nicht bezweifle Dir zu ſagen, daß daß Du Dich irrſt. Ich kann nicht mehr thun. Wenn ich manchmal, im Laufe der Jahre, Hülfe und Rath bedurft habe, ſo ſind ſie mir geworden. Wenn ich manchmal unglücklich geweſen bin, ſo iſt dies Gefühl vorübergegangen. Wenn ich je eine Laſt auf dem Herzen gehabt habe, ſo iſt ſie mir erleich⸗ tert worden. Wenn ich irgend ein Geheimniß habe, ſo ſo iſt es kein neues, und nicht was Du vermutheſt. Ich kann es nicht offenbaren oder mit Dir theilen. Es iſt lange mein geweſen und muß mein bleiben.

Agnes! Halt! Einen Augenblick!

Sie war im Begriffe wegzugehen, aber ich hielt ſie zurück. Ich ſchlang meinen Arm um ihre Taille.Im Laufe der Jahre! Kein neues Geheimniß! Neue Ge⸗