Teil eines Werkes 
10. Theil (1850)
Entstehung
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David Kopperfield. 87

Zweifelſt Du, daß ich noch bin, was ich ſtets ge⸗ gen Dich geweſen?

Nein, antwortete ſie wie zuvor.

Erinnerſt Du Dich, wie ich, als ich nach Hauſe zurückkehrte, Dir zu ſagen verſuchte, wie viel Dankbar⸗ keit ich Dir ſchulde, theuerſte Agnes, und wie ſehr ich Dich liebe?

Ich erinnere mich deſſen ſehr wohl, erwiederte ſie ſanft.

Du haſt ein Geheimniß, ſagte ich,laß mich es theilen, Agnes.

Sie ſchlug ihre Augen nieder und erbebte.

Ich könnte kaum ungewiß darüber ſein, ſelbſt wenn ich es aber von andern Lippen als den Deinen, Agnes, was mir ſonderbar vorkommt nicht gehört hätte, daß es Jemand giebt, dem Du das Kleinod Dei⸗ ner Liebe geſchenkt haſt. Schließe mich nicht aus von einer Angelegenheit, welche ſo ſehr mit Deinem Glücke zuſammenhängt. Wenn Du mir vertrauen kannſt, wie Du ſagſt, daß Du dies kannſt, und wie ich weiß, daß Du es darfſt, ſo laß mich in dieſer Angelegen⸗ heit vor allen Andern Deinen Freund, Deinen Bruder ſein!

Sie ſtand mit einem flehenden, ja faſt vorwurfs⸗ vollen Blicke aus dem Fenſter auf, und indem ſie durch das Zimmer eilte, als wüßte ſie nicht, wohin, ſchlug ſie die Hände vor ihr Geſicht und brach in ſolche Thrä⸗ nen aus, daß es mir durch's Herz ſchnitt.

Und doch erweckten ſie etwas in mir, welches mei⸗ nem Herzen eine Verheißung brachte. Ohne daß ich gewußt hätte, warum, verbanden ſich dieſe Thränen mit dem Gedanken an das ſtill traurige Lächeln, wel⸗ ches in meiner Erinnerung ſo feſt ſtand, und ließen