86 David Kopperfield.
den dunkeln Himmel lagen, als ob ſie auf eine unge⸗ heure Schiefertafel gezeichnet wären!
Ich fand Agnes allein. Die kleinen Mädchen wa⸗ ren jetzt heimgegangen, und ſie war allein und las am Kamin. Als ſie mich hereinkommen ſah, legte ſie ihr Buch hin, und nachdem ſie mich wie gewöhnlich bewill⸗ kommt hatte, nahm ſie ihr Arbeitskörbchen und ſetzte ſich in eines der altmodiſchen Fenſter.
Ich ſetzte mich neben ſie auf den Fenſterſitz, und wir ſprachen von dem, woran ich jetzt arbeitete und wenn es fertig ſein werde, und von den Fortſchritten, die ich ſeit meinem letzten Beſuche gemacht. Agnes war ſehr heiter und ſagte lachend voraus, ich werde bald ſo be⸗ rühmt werden, daß man zu mir gar nicht mehr über dergleichen Gegenſtände ſprechen dürfe.
„So halte ich mich denn in jetziger Zeit dazu, wie Du ſiehſt,“ ſagte Agnes,„und ſpreche mit Dir, ſo lange ich darf.“
Als ich ihr in das ſchöne, auf ihns Arbeit gerich⸗ tete Antlitz ſchaute, erhob ſie ihre milden, klaren Augen und ſah, daß ich ſie anblickte.
„Du biſt mir heute ja recht gedankenvoll, Trot⸗ wood?“
„Agnes, ſoll ich Dir ſagen, weshalb? Ich kam, um Dir's zu ſagen.“
Sie legte ihre Arbeit bei Seite, wie ſie zu thun gewohnt war, wenn wir etwas ernſtlich beſprachen, und widmete mir ihre ganze Aufmerkſamkeit.
„Meine liebe Agnes, zweifelſt Du, daß ich aufrich⸗ tig und wahr gegen Dich bin?“
„Nein!“ antwortete ſie mit einem verwunderten Blicke.


