76 David Kopperfield.
„Danke Ihnen, mein Herr. Ich bin in Angſt we⸗ gen Mutter. Ich fürchte, ſie iſt nicht ganz geſund.“
Irgend Eines fragte unvorſichtig, inwiefern nicht. Aber ſogleich ließ ſich ein ärgerliches„Bſt!“ vernehmen.
„Nicht geſund an ihrer unſterblichen Seele,“ ent— gegnete Uriah, ſich nach der Richtung hin verrenkend, von wo die Stimme gekommen.„Ich wünſchte, Mut⸗ ter könnte in meinen Gemüthszuſtand verſetzt werden. Nie würde ich in meinen gegenwärtigen Gemüthszu⸗ ſtand gelangt ſein, wenn ich nicht hierher gebracht wor⸗ den wäre. Ich wollte, Mutter wäre hierher gekommen. Es würde für Jedermann beſſer ſein, feſtgenommen und hierhergebracht worden zu ſein.“
Dieſer Ausſpruch befriedigte grenzenlos— ja be— friedigte, glaube ich, mehr, als irgend etwas, das bis⸗ her vorgekommen war.
„Ehe ich hierher kam,“ ſagte Uriah, indem er uns einen verſteckten tückiſchen Blick zuwarf, als ob er, wenn er könnte, die Außenwelt, zu der er gehörte, vernich⸗ ten würde,„war ich Thorheiten ergeben; aber jetzt bin ich mir meiner Thorheiten bewußt. Draußen giebt es eine Menge Sünden. Mutter hat auch ihr Theil Sünde. Ueberall— ausgenommen hier— iſt nichts als Sünde.“
„Sie ſind wohl völlig verändert?“ ſagte Mr. Creakle.
„Oh ja wohl, oh freilich, mein Herr!“ ſchrie die⸗ ſer hoffnungsvolle bereuende Sünder.
„Sie würden wohl nicht wieder in die Sünde zu⸗ rückfallen, wenn Sie in die Welt hinausgingen?“ fragte Jemand anders.
„Oh ganz ſicherlich nicht, mein Herr!“
„Nun denn!“ verſetzte Mr. Creakle,„das iſt ſehr
befriedigend. Sie haben Herrn Kopperfield angeredet,


