62 David Kopperfield.
aber fand ich in ihr ſtets dieſelbe heitere Hausfrau, die oft, wenn kein fremder Fuß die Treppe heraufkam, ihre Balladen aus Devonſhire ſummte und den pfiffigen Jungen in ſeinem Expeditions⸗Cloſet ganz betäubte.
Ich wunderte mich zuerſt, warum ich Sophie ſo oft in ein Copirbuch ſchreibend beträfe, und warum ſie es, wenn ich erſchien, ſtets zuſchlug und haſtig in den Tiſchkaſten ſchob. Aber das Geheimniß kam bald heraus. Eines Tages nahm Traddles, welcher gerade durch das praſſelnde Graupelwetter vom Gerichte nach Hauſe gekommen war, ein Papier aus ſeinem Pulte und fragte mich, was ich von dieſer Handſchrift hielte.
„Ach bitte, nein, Tom!“ ſchrie Sophie, die ihm ſeine Hausſchuhe vor dem Ofenfeuer wärmte.
„Meine Liebe,“ erwiederte Traddles in froher Stim⸗ mung,„warum denn nicht? Was ſagſt Du zu dieſer Handſchrift, Kopperfield?“
„' ſteht außerordentlich geſetzmäßig und formgerecht aus,“ ſagte ich.„Ich glaube nicht, daß iche je eine ſolche ſteife Hand geſehen habe.“
„Nicht wie eine Damenhand, nicht wahr nicht?“ fragte Traddles.
„Wie eine Damenhand!“ wiederholte ich.„Den Teufel auch wie'ne Damenhand.“
Traddles brach in ein Lachen der Entzückung aus und eröffnete mir, daß es Sophiens Handſchrift ſei; daß Sophie behauptet und erklärt habe, er würde bald einen Abſchreiber bedürfen, und ſie wollte dieſen Copiſten ma⸗ chen; daß ſie ſich dieſe Handſchrift nach einem Muſter angewöhnt habe, und daß ſie— ich weiß nicht, wie viele Blätter in der Stunde fertig machen könnte. So⸗ phie war ſehr verlegen, als mir alles dieſes mitgetheilt wurde, und meinte, wenn„Tom“ zum Richter ernannt


