Teil eines Werkes 
10. Theil (1850)
Entstehung
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David Kopperfield. 61

Gelegentlich ging ich nach London, mich in dem Leben, das dort ſchwärmte, zu verlieren oder mich mit Traddles über irgend einen geſchäftlichen Punkt zu be⸗ rathen. Er hatte für mich in meiner Abweſenheit mit dem geſündeſten Urtheile geſorgt, und ich fand meine weltlichen Angelegenheiten in trefflichem Stande. Als mein Bekanntwerden mir eine ungeheure Maſſe Briefe von Leuten zu bringen anfing, die ich nicht kannte— meiſt über nichts und außerordentlich ſchwer zu beant⸗ worten— kam ich mit Traddles überein, meinen Na⸗ men an ſeine Thür malen zu laſſen. Dort lieferten die dienſteifrigen Briefträger dieſes Bezirks Bündel von Briefen für mich ab, und dort arbeitete ich mich von Zeit zu Zeit durch dieſelben hindurch, gleich einem Staatsſecretair des Innern ohne Gehalt.

Unter dieſen Briefen gab es dann und wann nicht ſelten einen ſehr verbindlichen Vorſchlag von einem der zahlreichen Winkeladvocaten, die allezeit um die Com⸗ mons herumlungern, man wünſche unter meinem Namen zu praktieiren(wenn ich die noch übrigen nöthigen Schritte thun wollte, ein Proctor zu werden) und werde mir ſo und ſo viel Procent vom Gewinne zah⸗ len. Aber ich lehnte dieſe Anerbietungen ab, da ich wußte, daß es ſolcher verſteckter Praktikanten bereits in Hülle und Fülle gebe, und die Commons ſchon für vollkommen ſchlecht genug hielt, ohne daß ich etwas dazu thäte, ſie noch ſchlechter zu machen.

Die Mädchen waren heimgegangen, als mein Name an Traddles' Thür zu ſtrahlen begann, und der pfiffige Junge ſah den ganzen Tag aus, als ob er nie etwas von Sophien gehört hätte, die, in einem Hinterſtübchen eingeſchloſſen, von ihrer Arbeit auf ein verräuchertes Streiſchen Garten mit einem Brunnen hinabſah. Dort