Teil eines Werkes 
10. Theil (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

David Kopperfield. 47

dann wird ihr Leben wohl angewandt ſein. Nützlich und glücklich, wie ſie an jenem Tage ſagte. Wie könnte ſie anders als nützlich und glücklich ſein!“

„Hat Agnes denn einen—,“ dachte ich eher laut für mich, als daß ich es geſprochen hätte.

„Na? Heraus damit. Einen was?“ ſagte meine Tante ſcharf betont.

„Irgend einen Liebhaber,“ verſetzte ich.

„Ein halb Schock,“ ſchrie meine Tante mit einer Art entrüſteten Stolzes.„Sie hätte zwanzig Mal hei⸗ rathen können, mein Lieber, ſeit Du fort warſt.“

„Ohne Zweifel,“ entgegnete ich.„Ohne Zweifel. Aber hat ſie einen Geliebten, der ihrer werth wäre? Agnes würde keinen andern haben mögen.“

Meine Tante ſaß ein Weilchen nachdenkend da, ihr Knie auf ihre Hand geſtützt. Indem ſie langſam ihre Augen zu den meinen erhob, ſagte ſie:

„Ich vermuthe allerdings, ſie hat eine Liebe, Trot.“

„Eine glückliche?“ fragte ich.

„Trot,“ erwiederte meine Tante ſehr ernſt,„ich kann's nicht ſagen. Ich habe kein Recht, Dir auch nur ſo viel zu ſagen. Sie hat es mir nie anvertraut, aber ich vermuthe es.“

Sie blickte mich ſo aufmerkſam und ängſtlich an(ich ſah ſie ſogar zittern), daß ich jetzt mehr wie je fühlte, ſie ſei meinem letzten Gedanken gefolgt. Ich rief mir alle die Entſchlüſſe, die ich in den Tagen und Nächten daher gefaßt, und alle die vielfachen Kämpfe meines Herzens ins Gedächtniß zurück.

„Wenn es ſo ſein ſoll,“ begann ich,„und ich hoffe, es iſt ſo—“

„Ich meinestheils weiß nicht, daß es ſich ſo ver⸗ hält,“ ſagte meine Tante kurz einfallend.„Du mußt