David Kopperfield. 41
ermuthigt fort,„daß das, was ſolche Leute ihre Re⸗ ligion nennen, nur ein Abzugskanal für ihre ſchlechte Laune und ihren Hochmuth iſt. Und wiſſen Sie wohl, mein Herr,“ ſagte er, ſein Haupt ſanft auf die eine Seite legend,„daß ich geſtehen muß, wie ich durchaus nicht im Stande bin, für Herrn und Fräulein Murd⸗ ſtone einen Anhalt im Neuen Teſtamente zu finden.“
„Ich meinestheils habe auch nichts gefunden,“ ſagte ich.
„Indeß,“ ſagte Mr. Chillip,„ſind ſie ſehr gehaßt, und da ſie gleich bei der Hand ſind, Jedermann, der ſie nicht leiden kann, zu verdammen, ſo giebt's in un⸗ ſerer Gegend eine hübſche Menge Verdammungsurtheile. Jedoch ſind ſie, wie Madame Chillip ſagt, mein Herr, einer fortwährenden Beſtrafung unterworfen; denn ſie ſind nach innen gekehrt und angewieſen, an ihren eig⸗ nen Herzen zu nagen, und dieſe ihre eignen Herzen ſind ein ſehr ſchlechtes Futter. Nun aber, mein Herr, was Ihr Gehirn anbetrifft— wenn Sie mich entſchul⸗ digen wollen, daß ich darauf zurückkomme. Sagen Sie mir doch, ſetzen Sie es nicht zu großer Anſtrengung aus, mein Herr?“
Ich fand es bei der Angeſtrengtheit und Aufregung von Mr. Chillips eignem Gehirne durch ſein Negus⸗ trinken nicht ſchwer, ſeine Aufmerkſamkeit von dieſem Thema auf ſeine eignen Angelegenheiten zu lenken, hin⸗ ſichtlich deren er die nächſte halbe Stunde ganz geſprä⸗ chig war und mir unter andern Erklärungen zu ver⸗ ſtehen gab, daß er damals im Grays Inn Kaffeehauſe war, um ſein amtliches Gutachten vor einer Commiſ⸗ ſion abzugeben in Betreff des Gemüthszuſtandes eines Kranken, welcher durch Ausſchweifungen im Trinken ver⸗ rückt geworden war.
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