42 David Kopperfield.
„Und ich verſichere Ihnen, mein Herr,“ ſagte er, „ich bin außergewöhnlich nervenſchwach bei ſolchen Ge⸗ legenheiten. Ich konnte mir nicht helfen, was man ſo duſelig nennt, zu ſein. Es wollte mich ganz aus dem Häuschen bringen. Wiſſen Sie wohl, daß es einige Zeit dauerte, ehe ich mich von dem Benehmen jener ſchreckbaren Dame in der Nacht Ihrer Geburt zu erho⸗ len vermochte, Herr Kopperfield?“
Ich erzählte ihm, daß ich eben im Begriffe ſtünde, zeitig am Morgen zu meiner Tante, dem Popanz jener Nacht, abzureiſen, und daß ſie eine der liebreichſten und trefflicſten Frauen ſei, wie er vollkommen einſehen würde, wenn er ſie beſſer kennte. Die bloße Erwäh⸗ nung oder Möglichkeit aber, daß er ſie je wieder zu Geſicht bekommen würde, ſchien ihn zu entſetzen. Er erwiederte mit einem ſchwachen Lächeln und bleichem Geſichte:„Ei, iſt ſie das wirklich? Alſo wirklich?“ und rief faſt ſogleich darnach nach einem Lichte und ging zu Bette, als ob er anderswo nicht ganz ſicher ſei. Er taumelte nicht gerade unter der Einwirkung des Negus; aber ich ſollte denken, daß ſein ruhiger kleiner Puls drei oder vier Schläge mehr in der Mi⸗ nute gethan haben muß, als er ſeit jener großen Nacht gethan, wo meine Tante in ihrer Erwartung ſo ge⸗ täuſcht wurde, und wo ſie mit ihrer Haube nach ihm ſchlug.
Durch und durch ermüdet ging ich um Mitternacht ebenfalls zu Bett, verbrachte den nächſten Tag in der Poſtkutſche nach Dover, ſtürzte geſund und wohlbe⸗ halten in meiner Tante altes Zimmer, während ſie(die jetzt eine Brille trug) beim Thee ſaß, und wurde von ihr, Mr. Dick und der lieben alten Peggotty, die jetzt als Hausverwalterin wirkte, mit offnen Armen und


