Teil eines Werkes 
10. Theil (1850)
Entstehung
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32 David Kopperfield.

Von wie vielen Kindern Sophie in ihrer Zeit hätte die Wärterin abgeben können, kann ich mir nicht vor⸗ ſtellen, aber ſie ſchien berühmt zu ſein wegen ihrer Kenntniß jedweden Liedes, welches je einem Kinde in engliſcher Zunge vorgeſungen worden war, und ſie ſang Dutzende auf Beſtellung mit der klarſten Stimme in der Welt, eins nach dem andern(wobei jede Schweſter den Wunſch nach einer andern Melodie ausſprach und die Schönheit zuletzt gewöhnlich einfiel), ſo daß ich ganz bezaubert war. Das Beſte von Allem war, daß alle Schweſtern bei allen ihren Forderungen doch eine große Liebe und Achtung vor Sophien ſowohl als vor Tradd⸗ les an den Tag legten. Ich bin ſicher, als ich mich verabſchiedete und Traddles herauskam, um mit mir bis an das Kaffeehaus zu gehen, meinte ich niemals einen widerſpänſtig ſteifſtehenden Kopf voll Haare, oder irgend einen andern Kopf in einem ſolchen Hagel von Küſſen herumkollern geſehen zu haben.

Alles zuſammengenommen war es ein Schauſpiel, auf dem ich nicht umhin konnte, meine Gedanken noch lange Zeit ruhen zu laſſen, nachdem ich zurückgekehrt war und Traddles gute Nacht gewünſcht hatte. Wenn ich in meiner Wohnung im oberſten Stockwerke dieſes ver⸗ witterten Grays Inn tauſend Roſen blühen geſehen hätte, ſie würden ihm keine auch nur halb ſo heitere Phyſiog⸗ nomie verliehen haben. Die Idee von dieſen Mädchen von Devonſhire unter den trockenen Rechtsgelehrten und Advocaten⸗Canzleien, und von dem Thee und den ge⸗ röſteten Brotſchnitten und Kinderliedern in dieſer iſegrim⸗ migen Atmoſphäre von Bimſteinpulver und Pergament, Actenheftband, ſtaubigen Oblaten, Tintenflaſchen, Stem⸗ pelbogen, Wechſelformularen, Acten, Verordnungen und Declarationen und Koſtenberechnungen kam mir gerade