David Kopperfield. 29
ehe wir abreiſten— konnte mir's nicht vergeben, daß ich ſie ihres Kindes beraubte— aber ſie iſt ein gutes Geſchöpf und hat es ſeitdem gethan. Ich bekam erſt dieſen Morgen einen entzückenden Brief von ihr.“
„Und kurz, mein lieber Freund,“ ſagte ich,„Du fühlſt Dich ſo ſelig, als Du Dich zu fühlen verdienſt!“
„Oh! Das iſt Deine Eingenommenheit für mich, die das ſagt!“ lachte Traddles.„Aber ich bin wirk⸗ lich in höchſt beneidenswerthen Verhältniſſen. Ich ar⸗ beite tüchtig und ſtudire die Geſetze mit wahrer Uner⸗ ſättlichkeit. Ich ſtehe jeden Morgen um fünf auf und mache mir nichts draus. Ich verſtecke die Mädchen den Tag über und mache mich des Abends mit ihnen luſtig. Und ich kann Dir verſichern, daß ich von ganzem Her⸗ zen bedauere, daß ſie den Dienſtag nach Hauſe gehen, welches der erſte Tag des Michaelishalbjahrs iſt. Aber hier,“ ſagte Traddles, mit ſeinem vertraulichen Tone abbrechend und laut ſprechend,„ſind die Mädchen ſelbſt. Herr Kopperſield, Fräulein Crewler, Fräulein Sarah, Fräulein Louiſe— Margarethe und Lucie!“
Sie waren ein wahrer Roſenſtrauß, ſo geſund und friſch ſahen ſie aus. Sie waren alleſammt hübſch, und Miß Caroline war ſogar ſehr hübſch; aber in Sophiens hellen Blicken lag ein ſo liebevolles, fröͤhliches, behag⸗ lich-häusliches Etwas, welches beſſer als das war und mir die Verſicherung gab, daß mein Freund eine gute Wahl getroffen habe. Wir Alle ſaßen um das Feuer herum, während der pfiffige Junge, welcher, wie ich jetzt errieth, durch Herausthun der Papiere und Acten⸗ ſtücke außer Athem gerathen war, ſie wieder abräumte und das Theegeſchirr aufſetzte. Hierauf entfernte er ſich für die Nacht, indem er die äußere Thür mit einem Plauz hinter uns zuſchloß. Als Mrs. Traddles, wel⸗


