20 David Kopperfield.
Trotzdem ſehr begierig, den lieben alten Jungen bald zu ſehen, vollendete ich meine Mahlzeit in einer Weiſe, durchaus nicht darauf berechnet, mich in der Achtung des Oberkellners zu erheben, und rannte zur Hinterthür hinaus. Nummer zwei im Hofe war bald erreicht, und da mich eine Schrift auf der Thürpfoſte belehrte, daß Mr. Traddles eine Reihe Zimmer im oberſten Stockwerke innehabe, ſtieg ich die Treppe hin⸗ auf. Eine wunderliche alte Treppe war es, auf jedem Abſatze matt erleuchtet durch einen dickköpfigen kleinen Oeldocht, der in einem kleinen Kerker von ſchmutzigem Glaſe dahinſchmachtete.
Während ich hinaufſtolperte, meinte ich ein heiteres Lachen erſchallen zu hören, und zwar nicht das Lachen eines Advocaten oder Sachwalters, oder Advocaten⸗ oder Sachwalterſchreibers, ſondern das Gelächter von zwei oder drei fröhlichen Mädchen. Da es ſich indeſſen be⸗ gab, daß ich, während ich ſtehen blieb, um zu horchen, meinen Fuß in ein Loch ſtellte, wo die Ehrenwerthe Geſellſchaft von Grays Inn eine Planke fehlen gelaſſen hatte, ſo fiel ich mit einigem Getöſe nieder, und als ich wieder auf die Beine kam, war Allees ſtill.
Indem ich mich nun auf der Reiſe bergauf bedacht⸗ ſamer weiter fingerte, fing mein Herz heftig an zu klopfen, als ich die äußere Thür offen fand, auf welche ich„Mr. Traddles“ gemalt fand. Ich klopfte. Ein beträchtliches Rutſchen und Raſcheln mit den Füßen folgte hierauf drinnen, aber weiter nichts. Ich klopfte deshalb nochmals.
Ein kleiner pfiffig ausſehender Junge, halb Lauf⸗ burſche und halb Schreiber, welcher ſehr außer Athem war, aber mich anſah, als ob er mich auffordere, das geſetzlich nachzuweiſen, präſentirte ſich.
„Iſt Herr Traddles drinn?“ ſagte ich.


