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David Kopperfield.. 5 und ich wandte mich ſogar auf meiner Straße um, damit ich bald dorthin gelangte. Zu andern Zeiten wieder entfernte ich mich weiter und zog von Stadt zu Stadt, ich weiß nicht, welchem Etwas nach und von welchem Etwas hinweg.
Ich bin nicht im Stande, alle die qualvollen Pha⸗ ſen des Trübſinns eine nach der andern zu ſchildern, welche ich durchlebte. Es giebt gewiſſe Träume, welche nur unvollkommen und in allgemeinen Andeutungen beſchrieben werden konnen, und wenn ich mich zwinge, einen Rückblick auf dieſe Zeit meines Lebens zu thun, iſt mir's, als ob ich mir ſolch einen Traum ins Ge⸗ dächtniß zurückriefe. Ich ſehe mich an den Sehens⸗ würdigkeiten fremder Städte, Paläſte, Dome, Tempel, an Gemälden, Burgen, Grabmälern, der Phantaſie vor⸗ ſchwebenden Straßen derſelben— den alten Wohnſtät⸗ ten der Geſchichte und der Dichtkunſt— vorüberſchreiten, wie dies etwa ein Träumender thun würde, überallhin meine ſchmerzliche Laſt mit mir ſchleppend und mir kaum der Gegenſtände bewußt, wenn ſie vor mir entſchwan⸗ den. Theilnahmloſigkeit an Allem, ausgenommen meine dumpfhinbrütende Trauer, war der Charakter der Nacht, die auf mein unerfahrenes Herz gefallen. Laſſe man mich von derſelben und von ihrem langen, düſtern, unſeligen Traume— wie ich, Dank dem Himmel! zu⸗ letzt that— aufblicken zur Morgendämmerung!
Viele Monate reiſte ich mit dieſer ewig dunkelnden Wolke auf meiner Seele durch die Welt. Gewiſſe mir unerklärliche Gründe, welche mich abhielten, heimzukeh⸗ ren— Gründe, die ſich in mir damals zu deutlicherem Ausdrucke emporrangen— trieben mich weiter auf mei⸗ ner Pilgerfahrt. Manchmal war ich ruhelos fortgewan⸗ dert von Ort zu Ort, manchmal wieder hatte ich mich


