ring mußten wir an ſeiner Hand laſſen; er ließ ſich ohne Verſtüm⸗ melung des Fingers nicht abzichen. Wir zerriſſen das ſeidene Hals⸗ tuch, welches Hermann trug, und banden es feſt um den Leib, um den Blutſtrom zu hemmen, der noch immer aus der Wunde floß und von dem meine Kleider befleckt waren; dann nahmen wir den Leich⸗ nam auf, trugen ihn aus der Ruine und legten ihn im Graſe vor der Kapelle nieder.
„Jetzt war es hohe Zeit, nach Hilgenberg zurückzueilen. Der Führer übernahm es, Albertinen zu einem Wundarzt zu bringen, der ihre Wunde verbinden könne. Ich unterſtützte ſie bei dem Herab⸗ ſteigen. Bitter bereute ſie jetzt, das ihrem Vater gegebene Verſprechen verletzt zu haben.„Aber nie, nie, rief ſie aus, ſoll er ſo unglücklich ſein, zu erfahren, daß ich ſeinen Willen übertreten habe; der Ge⸗ danke eines ſolchen Ungehorſams von Seiten einer geliebten Tochter, würde ſein Tod ſein. Komme, was da will, ja ſollte ich ſelbſt als Mörderin verdächtig vom Arm des Geſetzes verfolgt werden, ich will ſchweigen, ſchweigen bis zum Schaffot, bis zum Grab.
„Ich bot vergebens alle meine Berediſamkeit auf, ſie von dieſem unglücklichen Gedanken abzubringen; immer ſtärker hielt Albertine an ihm und wiederholte mir immer von Neuem und in einem Tone, der mir ins Herz ſchnitt, ihre letzte Bitte gegen mich ſei, ſo lange ihr Vater lebe, Niemandem zu ſagen, ſie habe Hermann geſehen. Ich verſprach feierlich, was ſie verlangie und der Führer that, ge⸗ rührt von ihrem Schmerze, mit Thränen im Auge daſſelbe.
„Wir waren jetzt am Ausgange des Waldes. Meine Kleider wa⸗ ren mit Blut befleckt; an Albertinens Gewand fanden ſich nur kleine Spuren, die leicht durch die Wunde in ihrer Hand erklärt werden konnten. In dieſem Augenblick endeckte ſie, daß ſie ihren Hand⸗ ſchuh verloren. Wir ſahen ein, wie wichtig es ſei, ihn wieder zu er⸗ halten, und ich erbot mich, wieder hinaufzuſteigen, in der Hoffnung, ſie bald wieder einholen zu können. Ich ſuchte lange und vergeblich;


