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„Hermann, ſchämſt Du Dich nicht, in Gegenwart Deiner edlen Gattin ein ſolches Narrenſpiel zu ſpielen?“
„Dieſer Vorwurf ſchien ihn bis zum Wahnſinn zu entflammen.
„Elender! rief er aus, ich wüßte nicht zu ſterben!?“
Kaum hatte er dieſe Worte ausgeſprochen, ſo lag er blutend zu meinen Füßen, den Griff des Meſſers krampfhaft in ſeiner Hand haltend, die Klinge in ſeine Bruſt geſenkt. Albertine lag neben ihm, ſelbſt blutend und beſinnungslos.
„Faſt ohne zu wiſſen, was ich that, hob ich ſie auf. Ihre rechte
Hand blutete. In dem Augenblick des tödilichen Streiches war ſie in
das Meſſer gefallen, um ſeine Hand aufzuhalten, aber vergeblich.
„Der Führer zog das Meſſer aus Hermanns Bruſt— es war zu ſpät. Eine einzige leiſe Bewegung mit dem Kopfe, ein ſchwaches Röcheln in der Kehle, und Hermann war nicht mehr.
„Albertine, das ſchwache, zarte Weib, war die Erſte, welche in der peinlichen Lage Beſonnenheit und Ruhe zeigte. Der Verſtor⸗ bene war der Gegenſtand ihrer Sorgfalt. Der Leichnam, ſagte ſie, dürfe nicht hier bleiben, ihr Gatte, der Vater ihrer Kinder, dürfe nicht unbeerdigt liegen gelaſſen werden, er müſſe ein Grab in chriſt⸗ licher Erde finden.
„Der Führer brachte den Plan vor, den Leichnam aus der Ruine zu tragen und ihn in die Nähe der Kapelle zu legen, wo man ihn bald entdecken und für den Leichnam eines Menſchen halten würde, der in dem Gebirge beraubt und ermordet ſei; in dieſem Falle würde er auch ein Begräbniß in geweihter Erde erhalten, was ihm verwei⸗ gert werden würde, wenn ſein Selbſtmord bekannt werde. Wir hiel⸗ ten den Plan für ausführbar. Mit Hülfe des Führers nahm ich dem Leichnam ſeine obern Kleider, Börſe, Uhr und Brieftaſche. Die Kleider verbargen wir in einem Loche hinter der Ruine und bedeckten dies ſorgfältig mit Steinen. Die Uhr, die Börſe, den Trauring und die Brieftaſche nahm auf meine Bitte Albertine an ſich. Den Siegel⸗


