Teil eines Werkes 
13./14. Th. (1845)
Entstehung
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und nach einer Stunde ängſtlicher Erwartung von meiner Seite kam Albertine.

Die ruhige Würde, die Gemeſſenheit, mit welcher dies außer⸗ ordentliche Weib dem ſchwierigen Augenblicke entgegenging, während ich, ein Mann, von einem namenloſen Gefühle des Schreckens mein Herz ergriffen fühlte, überwältigte mich mit Erſtaunen und endlich mit Schaam. Die Zeit war koſtbar; ohne Aufſchub eilten wir durch den Garten und dem Walde zu, deſſen dunkele Schatten uns bald aufnahmen. Von dort ſteigt der Fußpfad, anfangs gemächlich, dann immer ſteiler, zur Ruine empor. Albertine war in ihrem Geſellſchafts⸗ fleide; ſie glitt häufig mit ihren dünnen glatten Schuhen aus, und nur mit aller meiner Kraft konnte ich ſie bei dem Aufſteigen halten und weiterführen. Ihre heldenmüthige Ausdauer jedoch überwand jede Schwierigkeit.

Einige Schritte vor der Ruine kam uns Hermann enigegen. Albertinens Herzſchlug hörbar. Da ſtand er vor ihr, der gebrochene, entwürdigte Mann, vor dem Weibe, das faſt in jungfräulicher Schönheit blühte. Welch' eine Begegnung! Welche Gefühle müſſen in dem reinen, edlen Herzen Albertinens erwacht ſein! Gern möchte ich die ſchmachvolle Thatſache verhehlen, aber ich darf nicht, Her⸗ mann erſchien unnatürlich aufgeregt. Er hatte Wein mit ſich nach der Ruine gebracht weshalb weiß ich nicht und es zeigte ſich bald, daß er ſchon bis zumUebermaß davon genoſſen hatte.

Selbſt Albertine, die Anfangs nicht darauf geachtet hatte, konnte gegen Hermanns Verfaſſung nicht lange unempfindlich ſein. In ſei⸗ nem ganzen Benehmen lag etwas Wildes, Rauhes, Empörendes. Ich ſah aus ihren Blicken, daß ſie ihren Schritt bereute, aber es war geſchehen. Ich ſuchte nach Möglichkeit das Geſpräch auf den eigentlichen Punkt zu lenken, in der Hoffnung, die peinliche Zuſam⸗ menkunft um ſo ſchneller zu beendigen, winkie aber dem alten Mann, der Hermanns Führer geweſen war, uns zu begleiten, und ſo betra⸗

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