107 von dort Antworten erhielt. Ich tadelte ihn; er umarmte mich und rief tief bewegt:„O, Mar, ſtöre meine Pläne nicht. Ich rechne auf Dich. Albertine traut mir— und Dir! Bald wird Dir Alles klar werden.“
„Mein Erſtaunen war unbeſchreiblich. Ich zweifelte noch immer; ich glaubte, Hermann müſſe mich oder ſich täuſchen. Aber es war ſo, wie er ſagte. Albertine hatte eingewilligt, zwar nicht auf eine Wieder⸗ vereinigung, aber ihn wiederzuſchen. Wie es ſcheint, hatte Hermann ſie auf ihrer ſchwächſten Seite, in ihrer Liebe für ihr Kind angegrif⸗ fen. Er hatte ihr gedroht, er und ſeine Familie könnten und wollten das Kind geſetzlich zurückfordern, wenn ſie ihm die Zuſammenkunft weigere, um die er bat. Wie Albertine bei ihrem klaren Verſtande ſich durch dieſes eitle Vorgeben einſchüchtern laſſen konnte, weiß ich nicht; aber es war ſo. Sie willigte in Hermanns Plan und dieſer war folgender:
„Der Landadel der Umgegend hielt eine Wochenaſſemblée in Hil⸗ genberg und Albertine begleitete gewöhnlich die Familie Kettler dahin. Die Geſellſchaften waren zahlreich, Herren und Damen von jedem Alter, und Spaziergänge und Vergnügungen aller Art gaben Jedem, der wollte, Gelegenheit, ſich unbemerkt von den Uebrigen zu trennen.
„Es war verabredet, Albertine ſolle durch eine angebliche Bot⸗ ſchaft von einer Freundin, der wir den Namen Madame Seehauſen gaben, abgerufen und an einen beſtimmten Ort geführt werden, wo ich ſie erwarten ſollte. Dieſer Ort war die Wohnung einer achtbaren Dame in Hilgenberg.
„Von dieſem Hauſe ſollte ich Albertinen zu einer einſamen Ruine auf dem Gipfel einer benachbarten Höhe führen, die Hermann bei ſeinem Umherſchweifen entdeckt hatte und wo er ſelbſt warten wollte.
„Ich konnte bei mir ſelbſt die bedenkliche und ſelbſt die gefährliche Natur dieſes Planes nicht verbergen. Ich hätte ihn gern vereitelt; aber jetzt ſchien auch Albertine die Zuſammenfunft wünſchen. Sie


