— Was fehlt Ihnen denn? fragte ich ihn. Wäre es noch von Ihrer Wunde?
— Nein, Gott ſei Dank! Man ſieht von ihr jetzt faſt gar nichts mehr, als wäre es der Biß eines Blutegels geweſen. Nein, Doctor.. ich weiß nicht... wenn ich nicht fürchtete, Sie könnten mich ausla⸗ chen, ſo würde ich ſagen, ich glaube Vapeurs zu haben.“
Ich lächelte.
„Ja, nicht wahr? fuhr er fort, das iſt eine Krankheit, die Sie ausſchließlich Ihren ſchönen Patientinnen erlauben; aber demunge⸗ achtet iſt es nicht weniger wahr, daß ich ſehr leide und zwar ohne ſagen zu können, woran ich leide oder worin meine Schmerzen be⸗ ſtehen.
— Teufel, das wird gefährlich. Sollte es Hypochondrie ſein?
— Was ſagen Sie da, Doctor?“
Ich wiederholte das Wort, bemerkte aber, daß es dem Verſtänd⸗ niß des Baron von Faverne keinen Sinn darbot. Ich ergriff jetzt ſeine Hand und legte zwei Finger auf die Pulsader.
Sein Puls ſchlug in der That aufgeregt und krampfhaft.
Während ich die Schläge des Pulſes zählte, klingelte es. Der Baron ſprang auf und ſein Puls ward fieberhaft.
„Was haben Sie? fragte ich.
— Nichts, ſagte er, aber es iſt ſtärker als ich. Wenn ich die Klingel höre, ſchrecke ich zuſammen; und dann, nicht wahr, ich bin ganz blaß geworden?... Ach, Doctor, ich ſage Ihnen, ich bin ſehr krank.“
In der That war der Baron leichenblaß. Ich fing an zu glauben, daß er nicht übertreibe und in Wahrheit krank ſei; nur war ich über⸗ zeugt, daß dieſe körperliche Reizbarkeit eine moraliſche Urſache habe.
Ich blickte ihn feſt an. Er ſchlug die Augen nieder und auf die Bläſſe, die ſo eben ſein Geſicht bedeckt hatte, folgte eine tiefe Röthe. „Ja, ſagte ich, es iſt mir ganz klar, Sie leiden.


