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Wiſſenſchaft. Beſuchen Sie mich alſo heute gefälligſt, wenn Sie mir nicht mehr grollen. Ihr ganz ergebener „Heinrich, Baron von Faverne.“ Rue Taitbout, Nr. 11.
Dieſer Brief, der, wenn ich ihn wörtlich wiedergeben wollte, mit einigen orthographiſchen Fehlern geſchmückt wäre, beſtätigte meine ſchon vorher gefaßte Meinung, daß mein Patient eine ſehr vernach⸗ läſſigte Erziehung genoſſen hatte; doch wenn er, wie er ſagte, in Guadeloupe geboren war, ſo konnte der Umſtand nicht ſehr auffallen. Man weiß im Allgemeinen, wie ſehr die Erzichung der Coloniſten vernachläſſigt wird.
Auf der andern Seite aber beſaß der Baron von Faverne weder die kleinen Hände und Füße, noch den ſchlanken, anmuthigen Wuchs, noch das reizende Organ der Menſchen aus den Tropenländern und mir war es unumſtößlich gewiß, daß ich es mit irgend einem Men⸗ ſchen aus der Provinz zu thun hätte, den der Aufenthalt in der Hauptſtadt etwas abgeſchliffen hatte.
Doch da er wirklich krank ſein konnte, ſo beſuchte ich ihn.
Ich kam und ward in ein kleines mit violett und vrangefarbigen Damaſttapeten ausgeſchlagenes Boudoir geführt, das zu meiner gro⸗ ßen Verwunderung in einem weit beſſeren Geſchmack ausgeſchmückt war, als die übrigen Gemächer.
Er ſaß halb liegend auf einem Sopha, in einer ſichtbar ſtudirten Stellung, bekleidet mit ſeidnen Unterkleidern und einem Schlafrock von ſchreienden Farben. Zwiſchen ſeinen dicken Fingern ſpielte er mit einem hübſchen kleinen Flacon von Blakman oder Benvenuto Eellini.
„Ach, das iſt ſehr gütig und freundlich von Ihnen, daß Sie mich beſuchen, Doctor! ſagte er, indem er ſich halb erhob und mir ein Zeichen machte, mich zu ſetzen.— Uebrigens habe ich nicht gelo⸗ gen, ich leide entſetzlich.


