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Blumen tragend, die ein geſtickter Schleier bedeckte. Es war Irene, einzige Tochter Sereskis, deren natürliche Anmuth nicht ohne Ein⸗ fluß auf den Paſcha war. Vor ſechs Jahren, als die Frau des Armeniers Joſhua während der Geburt dieſes Kindes geſtorben, hatte ſich Muſtapha gerade im Hauſe des Armeniers befunden, und dieſer Umſtand trug nicht wenig bei, ſeine Gunſt dem Vater und dem Kinde zu gewinnen. Je mehr das Kind herangewachſen war und an Liebenswürdigkeit und Anmuth gewonnen hatte, je offener hatte ſich des Paſcha's Vorliebe für daſſelbe gezeigt, ſeine häuſigen Be⸗ ſuche in Mielnik kamen zum großen Theil auf Rechnung des Kindes, und oft hatte er dem Vater verſprochen, ſollte je Irene eine Waiſe werden, ſo würde er ſie adoptiren.
Bei dem ernſten und trüben Blicke des Paſcha mäßigte das Kind ſeinen leichten Schritt und ſetzte ſich ruhig zu den Füßen Muſtapha's nieder, mit ſeinen Blumen zu ſpielen. Als dieſer aber immer noch kein Zeichen des Lebens gab, berührte ſie die gebräunten, mit glänzenden Ringen geſchmückten Finger des Pa⸗ ſcha und ſagte, indem ſie ihn freundlich anlächelte:
„Paſcha, wenn Du ein wenig mit mir lachen willſt, wie Du es immer thuſt, ſo gebe ich Dir meine ſchönſten Roſen.“
„Kind,“ entgegnete Muſtapha mit düſterem Ton,„ich brauche Deine Roſen nicht, denn mein Herz iſt voll Dornen.“
„Dann will ich Dir einen Talisman geben,“ fing Irene wieder an,„der Dir Dein von den Dornen wundes Herz heilen ſoll.“
„Nimm fort die Roſen und den Talisman und laſſ mich! Mein Herz iſt ſchwer, es hört Dich nicht.“
Doch Jrene ließ nicht ab. Mit dem geheimnißvollen, ſchlauen Weſen, das Kinder ſo gern annehmen, die etwas wiſſen und ver⸗ bergen, wickelte ſie den Shawl, der ihr als Gürtel diente, aus⸗ einander und zog aus ſeinen Falten einen goldenen Ring hervor, in den ein Saphir von großem Werth gefaßt war.


