Teil eines Werkes 
11./12. Th. (1844)
Entstehung
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Der Schwur des Paſcha.

Die Heilighaltung des Schwures iſt einer der bemerkenswertheſten Züge im Charakter der Türken. Hier ſpricht ſich der Ernſt und die Würde des Muſelmannes am ſtärkſten aus. Gewiß, es giebt unter den Türken, wie überall, Verräther und Schurken, aber Wortbrüchigkeit findet man bei ihnen nicht, wie oft unter den Chriſten. Es geht mit der Loyalität des Türken wie mit der Gaſt⸗ freundſchaft des Arabers, ſie iſt ſprüchwörtlich erblich geworden, ſie wurzelt im Boden und Cultus, und zeigt ſich vorzugsweiſe bei den Feindſchaften, daß ſie über den Schwächen des menſchlichen Herzens erhaben iſt. Hat ein Muſelmann einmal ſeinen Schutz verſprochen, ſo iſt ſein Wort unverbrüchlich, und der Haß und das Intereſſe würden vergeblich ihre Beredtſamkeit aufbieten, um dieſes heilige Band zu löſen; doch auch dann, wenn ein Türke geſchworen hat, ſich zu rächen, ſo kann kein Geſetz, keine Macht in der Welt ihn von der Erfüllung ſeines Willens zurückhalten, oder die Kraft ſeines Schwures mindern. Ein tragiſches Ereigniß, das während meines Aufenthaltes im Orient ſich bei Konſtantinopel zutrug, kann als blutiger Beweis dieſes türkiſchen Nationalzuges dienen.

Ich mußte mich von Konſtantinopel nach Salonichi begeben und machte die Reiſe auf türkiſche Art, d. h. zu Pferde unter der Begleitung eines Tataren. Ganz beſondere Fermane empfahlen mich hinreichend an Muſtapha, den Paſcha von Salonichi, einen Mann von vielem Einfluß bei der hohen Pforte und Liebling des