Teil eines Werkes 
1./2. Th. (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ruhig zu ſterben! Heinrich, Heinrich, ich wage nicht zu

131

nicht, die Du geſegnet haſt; bedauere nicht, mich geliebt zu haben, denn ich werde jetzt mit Deiner Liebe vor Gott erſcheinen, und er wird in ſeiner Barmherzigkeit die reuige Sünderin aufnehmen. Ich habe in dieſer Welt ſo viel gelitten, daß man mir es in der andern zu Gute rechnen wird. Du biſt mein erſter Retter. Es gehörte Deine ganze edele Liebe dazu, um die irdiſchen Richter zu beſänftigen; ſie haben der verziehen, die eine ſo große Liebe ein⸗ flößte. Und warum nicht leben in aller geweihten Freude dieſer Liebe? Nein, nein; ich bin dem, der mich geliebt hat, immer verderblich geweſen. Ich muß ſterben, denn wer weiß, ob Du nicht bald den Abgrund erkennen würdeſt, in den Du um meinet⸗ willen hinabgeſtiegen biſt. Dann würde ich für Dich nur eine Feſſel ſein. Ich könnte wohl Deinem Schmerze antworten: Du haſt es gewollt; aber nein, ich fühle Mitleid mit einem edeln ver⸗ irrten Herzen. Was könnte ich Dir bieten für ſo viele Liebe? ein beflecktes Herz, das keine Ruhe finden kann, das immer die früheren Verirrungen vor ſich ſieht. Ach, ich habe Dich geliebt, ich ſterbe in Liebe zu Dir, aber ich fühle auch, daß ich die Kraft nicht mehr habe, zu lieben. Deine Seele mußte in mein Herz dringen, um das göttliche Feuer in ihm wieder anzufachen. Ich muß es Dir ſagen, Heinrich, ſobald Du davon ſprachſt, mich zu heirathen, dachte ich an den Tod, aber ich dachte an ihn mit wahrem Wonnegefühle; ſterben in Deiner Liebe, ſterben und be⸗ trauert zu werden von einem großen Herzen, ich, die von aller Welt Verfluchte, was konnte ich Schöneres hoffen? Du haſt mir Deinen Namen gegeben, die Heirath mit Dir war für mich eine neue Taufe, eine Taufe der Abſolutivn. Das iſt Alles, was ich noch von dem Leben erwartete, nebſt einem Kuſſe Deiner jugend⸗ lichen Lippen auf meine Stirn; iſt dieſer Kuß nicht ein heiliges Diadem?.. Eben habe ich Opium genommen, und ſchon fühle ich die Wirkungen deſſelben.. Ach, mein Gott, gieb mir die Kraft,

9*