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„Warum klingelſt Du, Marie?“
—„Daß man mir meine Tvilette bringe.“
„Und warum verhüllſt Du das ſchöne Haar, das meine Freude iſt, das ſchöne Haar, das ich ſo oft im Traume in Locken auf dem Kiſſen ſchwimmen ſah?“
—„Ich überlaſſe Dir von ganzem Herzen gern mein Haar.“
Kaum hatte Marie dieſe Worte geſagt, als der Geliebte mit un⸗
geſtümem Eifer ihr die Locken löſete.
—„Ach!“ ſagte ſie,„das iſt das Beſte, was ich Dir zu⸗ bringe.“
Sie hatte das ſchönſte Haar, ſchwarz wie Rabenflügel und lang wie die Zweige der Trauerweiden.
„O wie ſchön biſt Du ſo! Welche Anmuth! welcher Zauber!“
—„Ja, ich bin noch ſchön,“ ſagte Marie zerſtreut, indem ſie ſich in dem Spiegel betrachtete.
Eine Todtenbläſſe zog über ihre leicht gerötheten Wangen. In dieſem Augenblicke öffnete eine Dienerin die Thüre.
—„Bring mir das Käſtchen von Roſenholz,“ ſagte Marie, indem ſie ihr Haar wieder zuſammen nahm.
Das Mädchen ging und kam bald wieder zurück. Während Heinrich hinter ihr die Thüre verſchloß, öffnete Marie das Käſt⸗ chen am Kamin. Sie nahm ein Schreibzeug, eine Feder und ein Blatt Papier heraus.
„Was fällt Dir ein?“ fragte Heinrich, als er zu ihr zurück⸗ kam,„wozu das Schreibgeräthe? Iſt die Liebe ein Advvcat?“
—„Wer weiß! Die Liebe hat Dir vielleicht eine Bittſchrift zu übergeben.“
Da Heinrich durch dieſe Worte traurig geſtimmt wurde, ſetzte ſie heiter hinzu:
—„Gräme Dich nicht, aind; ich lege die Feder nieder.“
„Weißt Du, daß Jedermann im Schloſſe zur Ruhe gegan⸗ gen iſt?“


