Teil eines Werkes 
1./2. Th. (1844)
Entstehung
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126 p

bekleidet, auf denen man zärtliche Schäferſeenen dargeſtellt ſah; über den Thüren und den Spiegeln bemerkte man friſch gemalte Amoretten. Der Kamin war ebenfalls ſchön verziert.

Das Feuer, das in dem Kamine brannte, verbreitete einen lebhaften Glanz über ein großes Bett mit Baldachin, das eines Prinzen von Geblüt würdig geweſen wäre. Bei dem Anblicke der Vorhänge neigte Marie ihre Stirn an den Buſen Heinrichs, der vor Liebe zitternd vor ihr ſtand.

Marie, ſagte er,Du wirſt mich einen traurigen Liebhaber nennen, aber mein Herz iſt nun einmal ſo, daß ich über mein Glück erſchrecke. Ich zittere wie ein Kind, das ſich fürchtet, und wage Dir kaum zu ſagen, daß und wie ich Dich liebe.

Ich weiß es, Heinrich. Glaubſt Du, daß ich nicht ſtolz bin auf dieſe ſo innige, ſo ſchüchterne Liebe? Auch ich zittere, Heinrich, denn ich wage kaum zu glauben, daß Dein junges Herz, dieſer Schatz von Liebe, mir gehört, die ich deſſelben nicht würdig bin.

Die letzten Worte wurden durch einen Kuß Heinrichs erſtickt.

Marie, Du biſt der Liebe eines Königs werth! Glaube ich an alle die Mährchen, mit denen man Dich verfolgt hat? Du biſt zu ſchön, um nicht das Opfer Deiner Schönheit geweſen zu ſein. Woran denkſt Du, Marie? Ach, Du liebſt mich nicht!

Ich bin in Deinen Augen nur ein Kind.

Ja, ein Kind von Muth und Kraft, ein Kind, das ich liebe, als wäre ich ſeine Schweſter, ſeine Mutter..

Ach, Marie, Du liebſt mich nicht, wie man einen Gelieb⸗ ten liebt!

Habe ich nicht geſagt, daß ich Dich liebte von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und für mein ganzes Leben?

Marie ſchlug bei dieſen Worten die Augen zum Himmel empor. Der Himmel erhöre Dich und ſegne uns! Marie klingelte.