Teil eines Werkes 
1./2. Th. (1844)
Entstehung
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begab ſich zu ihrer Schweſter in dem St. Margarethenkloſter. Bei den Frauen überlebt indeß die Eiferſucht die Liebe; ſie nahm den Schleier erſt, als ich geſchworen hatte, der Welt zu entſagen und Ihnen, der Schönſten, vielleicht der Geliebteſten von Allen.

Wie? rief Marie, durch ihre neuerwachte frühere Liebe fort⸗ geriſſen,Sie liebten ſie mehr, als mich? Und ſie ſtand bewegt auf.

Wer weiß es? antwortete der Benedictiner;Sie waren die Erſte, ſie war die Zweite, aber wir ſind von den Zeiten der Stürme und Gefahren bereits weit entfernt.

So weit! ſprach Marie.Ach glücklich, glücklich, die ver⸗ geſſen!

Sie, Marie, haben doch zuerſt vergeſſen, mehr vergeſſen, als ich. Glauben Sie, daß ich kein Bußgewand angelegt habe, um hierher zu kommen.

Marie ſank in die Arme des Benedictiners.

Ach, Gvott ſei gelobt! rief ſie aus;jetzt kann ich ſterben. Ach, Montbrun, welche Freude, mit dem Gedanken zu ſterben, daß Ihr Herz nach ſo langer Einſamkeit für mich nicht erkaltet iſt!

Marie! Marie! Gnade, ſuchen wir zu vergeſſen! Erinnern Sie ſich, daß dieſes Herz, das ich an dem meinigen ſchlagen fühle, weder mir, noch Ihnen mehr angehört, ſondern dem edeln Manne, der Ihnen den Segen der Ehe und der Familie bringen will.

Marie zog ſich aus den Armen Montbrun's zurück.Heinrich

Thome! rief ſie aus, während ſie die Augen gen Himmel erhob,

Heinrich Thome! Ihn hatte ich vergeſſen.

Es folgte eine Pauſe auf dieſe Worte.

Wenn mir es nicht mehr erlaubt iſt, fuhr ſie mit geſenktem Haupte fort,mein Herz für mich oder für Sie zu beſitzen, ſo kann ich es doch wenigſtens zu Gott erheben.

Ja, Marie, da oben erwarte ich Sie. Sehen Sie meine Bläſſe und Mattigkeit; ich habe nicht viele Jahre mehr zu leben und werde vor Ihnen da oben ſein.